Montag, 23. April 2018

Wie ich zum Hühnerdoktor wurde....

Während Deutschland sich über hochsommerliche Temperaturen freut, steuern wir hier mitten in der großen Regenzeit langsam aber sicher auf den kenianischen Winter zu. Das bedeutet zwar immer noch Sonne und warme Temperaturen am Vormittag, aber spätestens in den Nachmittagsstunden öffnen sich die Himmelsschleusen. Und am Abend wärmt uns das Kaminfeuer. Was solls, dafür ist es gerade wunderbar grün rundherum. Auch schön...


Neben meinen gelegentlichen Ausflügen in die Welt der Gynäkologie, eröffnete sich allerdings noch ein ganz anderes Arbeitsfeld für mich. Rayane, stolze Besitzerin einer Schar Hühner und eines Hahns bat mich um  Hilfe. 


Der Hahn hatte es auf eine seiner Damen besonders abgesehen. Nicht im positiven Sinne. Nein, er hackte dem armen Tier bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit aller Gewalt auf den Kopf. Bei näherem Hinsehen, entpuppten sich die Wunden der Hühnerdame als teilweise zentimetertief und schwer klaffend. Und so wurde ich zum Hühnerdoktor. Wir Frauen müssen ja bekanntlich zusammenhalten. Nach kurzem Überlegen und der Vermutung, dass dieses Huhn nicht unter einer Jodallergie leiden würde haben wir die Wunden ordentlich mit Betaisodonnasalbe versorgt. Hat geholfen. 


Der Hahn ist übrigens kurzerhand im Kochtopf des Gärtners gelandet. Das hat er nun davon. Und die Hühnerdamen sind wieder wesentlich entspannter. 

Samstag durften uns die Kinder dann in der Schule die Ergebnisse ihrer Projektwoche präsentieren. Wir waren wie so oft restlos begeistert. 



Raphael war von seiner Lehrerin allerdings untersagt worden, wieder eine Nacktschnecke in seine Fühlkiste zu packen. Hat ihn nicht gestört. Er hat rasch improvisiert und sich für kalten nassen Matsch entschieden. Weiß der Geier, von wem er sowas hat....



Und Johanna hielt einen wunderbaren Vortrag über die Medizin des Mittelalters, im Speziellen ging es um die Pest. 



Und nachdem uns am Samstag beide Kinder zugunsten ihrer Freunde verließen, hatten der Liebste und ich unerwartet sturmfreie Bude. Und was haben wir gemacht? Zuerst waren wir einkaufen und dann hat uns erneut der Klempner besucht. Immerhin funktionierten danach alle Toiletten. Ist ja auch was  ;-)

Wir sind dann aber doch noch am Abend spontan ausgegangen. Schön wars...


Und jetzt warte ich ganz gespannt auf das Ende der kenianischen Ferien, damit wir hoffentlich Mitte Mai die erste Schule mit den Monatseinlagen versorgen können.

Mittwoch, 18. April 2018

Nacktschnecken, Kaffeeameisen und Samosas

Nach meinem Ausflug letzte Woche in die Arbeitswelt hat mich der kenianische Alltag wieder. Und wie!

Es begann mit dem Schulflohmarkt. Raphael und Hanni waren mit ordentlich Taschengeld  (plus Zugabe) ausgestattet und sollten nach Büchern und allerlei Schönem Ausschau halten. 


Aber, anstatt der Kinder schlugen wir zu. War nicht geplant, aber nun besitzen wir noch mehr Bilder, einen Espressokocher für die Herdplatte, einen Wasserspender und gleich zwei Pumpsysteme für Wasserkanister. Letztere sind hier dermaßen begehrt, dass uns bereits ein Vielfaches des von uns dafür bezahlten Preises geboten wurde. Mal sehen, vielleicht geht da was...

Die Kinder haben diesmal eine entspannte Schulwoche und forschen in verschiedenen Projekten. Raphael hatte sich für "Unsere fünf Sinne" entschieden. Heute durften man dort Fühlkästchen basteln. Während die Kinder dort allerlei Steine, Blätter und Stöckchen hineintaten, um dann die Anderen den Inhalt ertasten zu lassen, hatte Raphael eine ganz besondere Idee. In seiner Kiste lag eine dicke fette Nacktschnecke! Er hat sich noch beim Abendessen über das Gesicht seiner Lehrerin beim Erfühlen derselben scheckig gelacht. 

Und auch unsere heißgeliebte Kaffeemaschine gehört wieder uns allein. Nicht, das wir sie mit den Nachbarn teilen mussten. Nein, eine Ameisengroßfamilie war eingezogen. Also so richtig. Ins Gehäuse! Und das kann man bekanntlich bei unserer Kaffeemaschine nicht öffnen. Also kann man schon, allerdings nur Vertragswerkstätten. Und die Schweiz ist weit. Mmh, schon blöd. Ich hatte nämlich trotz aller Tierliebe überhaupt keine Lust, mein Goldstück zu teilen. Nun besitzen wir zwar allerlei Insektentötoline, aber deren Anwendung hätte in diesem speziellen Fall zu giftigem Kaffee geführt. Fiel also aus. Wir haben es dann mit Zimtöl versucht. Und siehe da, das mochten die kleinen Krabbler gar nicht. Es dauerte nicht lange und sie begannen, samt ihrer Brut, aus allerlei Ritzen hervorzukommen. Ein Umzug stand an. Familie Ameise entschied sich dann für eine Packung dunklen Kakao im Küchenschrank. Wir haben sie dann am nächsten Morgen samt ihrer neuen Wohnung auf den Kompost umgesiedelt. Den Kakao habe ich ihnen gelassen. Statt Mamorkuchen gabs dann für uns  Rührkuchen mit Eierlikör. Auch nicht schlecht...

Ansonsten regnet es weiter. Nicht ständig, aber immer wieder. Und wenn, dann aber richtig! Da reichen dann 10 Minuten und einige Straßen sind als solche nicht mehr erkennbar. 


Übrigens hab ich diese Woche meine ersten selbstgemachten Samosas gebacken. Ich hatte anfangs ein wenig Schwierigkeiten mit der Falttechnik, habe dann aber improvisiert. Ging auch. 



Und würde uns nicht was fehlen, ist derzeit wieder regelmäßig ein Klempner im Haus. Diesmal haben wir einen gefunden, der sogar zwei Schraubenschlüssel besitzt. 


Wir werden sehen. Nach der heutigen dreistündigen Reparatur war alles genau so kaputt, wie zu Beginn derselben. Aber immerhin nicht mehr, das hatten wir auch schon...




Freitag, 13. April 2018

Medizingeschichten

Nun war es soweit. Erreichte mich doch ein paar Tage vor den Osterferien die Anfrage, ob ich in der zweiten Aprilwoche für vier Tage im Medical Care Center eine gynäkologische Sprechstunde übernehmen könnte. Na klar, ich konnte....und wollte!

Und es war wunderbar. Ein großartiges Schwesternteam. Durchweg geduldige und dankbare Patientinnen. Gewöhnungsbedürftig sind die hygienischen Bedingungen. An Arbeitsmaterial gibt es so einiges. Ich habe sogar ein kleines Fläschchen Albothyl im Schrank gefunden. Und es gibt ein kleines (uraltes, aber immerhin!) Ultraschallgerät. Und so ließ es sich ganz gut arbeiten.




Die Probleme sind übrigens die gleichen, wie wahrscheinlich überall auf der Welt. Von "ich werde nicht schwanger" über "ich möchte nicht schwanger werden" bis hin zu "ich bin schwanger". Zwischendurch immer mal ein paar kleine Zysten und unendlich viele Myome. Wahrscheinlich ist hier eine Frau ohne Myome keine richtige Afrikanerin.
Nächste Woche Donnerstag schau ich dort wieder vorbei. Wir haben ein paar Kontrollen einbestellt. Und dann mal sehen....

Die Kinder genießen nach den dreiwöchigen Osterferien wieder ihren normalen Schulalltag. Besonders Raphael, unser Kuchenfetischist, genießt die gelegentlich nachmittags stattfindenden Besuche beim Bäcker.



Ansonsten genieße ich den heutigen freien Freitag. Nach vier Tagen Abstinenz konnte ich endlich wieder einen kleinen Kaffeeklatsch genießen  ;-)

Donnerstag, 5. April 2018

Rückblick auf Sansibar oder unser ganz persönliches Titanic

Ja, es war wunderbar. Eine traumhafte Insel. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Wir haben eine ganz wundervolle Woche hinter uns. Mit vielen Erlebnissen, die unser Herz höher schlagen ließen. Angefangen von der zunächst scheinbar wackeligen Propellermaschine, über den schneebedeckten Kilimandscharo, das wuselige Stonetown, gipfelnd am Strand in einem Resort der Spitzenklasse. Was will man mehr.



















Nun, wer uns kennt, der weiß, dass es auch im schönsten Paradis bei uns nicht ohne Katastrophe abgeht. Diesmal allerdings durch unsere eigene Blödheit verursacht. Muss auch mal sein....




Was war geschehen?

Nun, eigentlich nichts Besonderes. Nein, ein simpler Ausflug mit dem Kanu. Ausgeliehen im Hotel. Vom Liebsten und mir. Nachdem wir unterschreiben mussten, dass wir schwimmen können, bekamen wir noch Westen ausgehändigt, die diese Fähigkeit unterstützen sollten. Nun ja, wir paddelten also immer schön an der Küste entlang, durch eine traumhafte Bucht. Und ich wollte unbedingt noch um die nächste Landzunge, dann sollte es zurückgehen. Alles kein Problem. Nein, das kam erst jetzt. Um abzukürzen entschlossen wir uns die Bucht auf dem Rückweg nicht in Strandnähe zu passieren. Nö, die Hypotenuse war ja viel kürzer. Was wir nicht ahnten war, dass dort draußen die ansonsten spiegelglatte See durchaus unruhiger ist. Und so kam, was kommen musste. Wir kenterten. Weit vom Strand entfernt. So ein Mist aber auch. Obendrein rutschte ich aus meiner viel zu großen Schwimmweste nahezu heraus. Nun erzählt einem ja keiner vorher, wie schwer es ist, so ein Kanu wieder rumzudrehen. Das ist tatsächlich nicht so einfach. Aber irgendwie schafften wir das. Ich also gehandicapt durch die schlechtsitzende Schwimmweste wieder ins Boot. Der Liebste hinterher. Puh. Geschafft. Nee, denkste. Beim Versuch die liegende in eine sitzende Position umzuwandeln brachte der Liebste das Böötlein erneut ins heftige Schaukeln und dann erneut zum Kentern. Die Strömung trieb uns immer weiter ab. Das war dann tatsächlich der Zeitpunkt, wo mir der Gedanke kam "vor Sansibar ertrunken klingt immerhin nicht ganz so langweilig".  Nun war uns die Idee dort zu versinken allerdings sehr fern und deshalb drehten wir das Boot mit vereinten Kräften nochmal richtig rum. Nachdem ich dann bäuchlings im Kahn lag, untersagte mir der Liebste mich hinzusetzen. Ein nochmaliges Kentern wäre über unsere Kräfte gegangen. Und so lag ich dann im Kahn und der Liebste hing an dessen Ende und schwamm und schob. Ein bißchen wie bei Rose und Jack in Titanic. Zum Glück bewegten wir uns allerdings nicht im Eiswasser. Unser Ozean hatte angenehme 29 Grad. So blieb dem Liebsten der heldenhafte Kältetod erspart. Haie haben wir übrigens nicht gesehen (die uns zum Glück auch nicht!)





Sansibar...gerne jederzeit wieder.....