Sonntag, 17. September 2017

Großstadtdschungel und Giraffenküsse

Neulich Abend waren wir etwas irritiert. Unser Night guard Boniface (ja, wir haben zwei Boniface) trat seinen Dienst an und war ganz aufgeregt. Ein Telefonat nach dem anderen. Er tigerte unruhig hin und her durch den Garten und hatte permanent sein Handy am Ohr. Auf Nachfrage erzählte er dann, dass seine Frau gerade ein Baby bekommt. Und das nicht ganz unkompliziert. Uterus duplex, Beckenendlage, Zustand nach Sectio, immerhin 36. SSW. Und weil das Baby nun überraschenderweise verkehrt herum lag, wurde seine Frau unter der Geburt in eine Klinik verlegt, damit dann ganz schnell ein Kaiserschnitt gemacht werden kann. Oje, da haben wir dann mitgebangt.
Und nach ein paar Stunden gabs die gute Nachricht. Allerdings konnte er uns erst am nächsten Abend sagen, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Das Baby musste wohl sofort auf die Kinderstation, da bekommt man hier dann (wohl selbst als Mutter) nur wenig Auskünfte. Aber egal, es ist ein kleiner Junge, 2600g und allen geht es gut.

Die restlichen Tage der Woche waren relativ ereignislos, Alltag eben. Bis auf heute.
Nun bin ich ja in meinem Leben schon durch so einige Großstädte gefahren, aber hier kann man wirklich von Großstadtdschungel reden. Und ich rede nicht von den chaotischen Verkehrsverhältnissen. Nein, wir wollten die Giraffen besuchen und der Weg führte uns mitten durch das Stadtzentrum. Der Weg war hochinteressant:


                                          Als erstes blockierte eine Kuhherde unseren Weg.


                                    Mitten in der Großstadt riesige Marabus in den Bäumen.


                                     Natürlich waren auch Warzenschweine am Straßenrand.


                           Und die obligatorischen Ziegen auf dem Mittelstreifen des Highway.


                                    Über dieses Bild dürft ihr euch selbst Gedanken machen.

Nun gut, aber eigentlich wollten wir Giraffen füttern. Haben wir auch. Was für ein Spaß. Man unterschätzt, wie groß so ein Giraffenkopf aus der Nähe ist. Und küssen können die.....





Wir hatten jedenfalls unseren Spaß. Im Anschluß gabs noch Burger zum Mittag und jetzt sitzen die Kinder über ihren Hausaufgaben. Michael hilft ihnen. Nur ich sitze noch im Garten und genieße die letzten Sonnenstrahlen.

Mittwoch, 13. September 2017

Mülltütengeschichten

Ach je, da hatte ich ja heute was angerichtet.
Boniface hatte ja neulich die neuen und genehmigten Mülltüten abgeholt, nachdem wir ein Schreiben erhielten "bitte schicken Sie ihren Angestellten zum Abholen der neuen Mülltüten".
Wir haben fünf (5!) bekommen.
Die reichen dann bei dreimal pro Woche Müllabfuhr allerdings auch nicht lange. Und die sind aus irgend sowas wie geflochtenem Bambus. Und irgendwie waren die mit so einer weißen mehligen Staubschicht beschichtet.
Ich hab dann Winnie heute Morgen gesagt, dass sie etwas vorsichtig mit den Tüten sein soll, um sich nicht schmutzig zu machen.
So weit  so gut.
Und dann schaue ich gegen Mittag aus einem der oberen Fenster auf den Wäscheplatz und denke so für mich "Wat hängt denn da auf der Leine???" - Und ja, Winnie hatte die Mülltüten fein säuberlich gewaschen. Von innen und außen. Jetzt sind die viel zu schade für den Müll.

Das denkt sich wahrscheinlich auch Boniface, den wir bei folgendem erwischt haben. Wir stellen unseren Müll ja jetzt in den (nun auch noch gewaschenen) neuen Müllsäcken raus zur Abholung. Plaste geht ja nicht mehr. Und was macht Boniface? Der packt unseren Abfall in einen schnöden blauen Plastiksack um und nimmt die Bambustüte mit nach Hause. Oh man, ich weiß ja auch nicht, wozu er das braucht. jedenfalls müssen wir ihm morgen sagen, dass das nicht geht. Die angekündigten Strafen (ca. 25.000 €) sind einfach zu hoch.

Und dann musste ich doch heute noch einmal sehr lachen. Ich habe Boniface beobachtet, wie er einen Gartenschlauch aufwickelt. Sehr innovativ. Er dreht sich im Kreis und wickelt das Ding um seine Hüften.


Probierts mal aus, scheint gut zu funktionieren.

Dienstag, 12. September 2017

Mathare

Mathare - eines der viel zu vielen Elendsviertel hier in Nairobi. Armut, Hunger, AIDS...

Mathare - wie komme ich nach Mathare? Ganz einfach, indem ich einfach mitgenommen wurde.
Das passiert einem nämlich, wenn man ganz ordentlich sonntäglich zum Gottesdienst geht. Der Sozialkreis der hiesigen Gemeinde engagiert sich in Mathare und es galt einen Scheck zu überreichen.

Mit dem Auto (zum Glück hatten wir diesmal einen Fahrer) also aus dem beschaulichen Nairobi raus und rein ins wirkliche Leben hier. Blechhütten, Dreck, Elend, Enge. Und mittendrin ein kleines Haus. Aus Stein. 4 Etagen. Unten, im Erdgeschoss, Sozialarbeiter, eine herzliche Begrüßung. Ansonsten leer, der nächste Ausbildungsmodus beginnt nächste Woche.

Ich bekam einen ausführlichen Vortrag über das Projekt und eine Führung durch das Haus. In diesem Projekt werden minderjährige Mütter - meist selbst Straßenkinder im Alter von 12 (!) -19 Jahren für 6 Monate aufgenommen. Sie bekommen in dieser Zeit (während die Kinder dort betreut werden) eine Ausbildung in Nähen, Kochen, Kinderernährung, Friseur, Grundlagen der Demokratie usw. Es gibt für alle (Mütter und Kinder) ein kostenloses Frühstück und ein Mittagessen.
Ziel ist es, etwas zu lernen, um anschließend ein Einkommen zu haben um die Kinder versorgen zu können.

                                                         hier wird gegessen und gelernt

                                                           hier kann man Friseur lernen

                                                                     die Nähklasse

Die Nähklasse stellt zum Beispiel ganz bezaubernde Herztaschen her. In Anbetracht des Plastiktütenverbotes eine sinnvolle Sache. Die Taschen werden für 5 Euro verkauft. Ja, das ist ziemlich viel hier für eine Tasche. Aber aus den Einnahmen finanziert sich das Projekt. Das Essen und die Materialien müssen ja auch irgendwie gekauft werden.



Es wird sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich dort war.
Die German Doctors sind auch gleich nebenan... ;-)

der erste Streuselkuchen oder das Ding mit dem Zucker

Zuerst einmal sei gesagt, der neue Herd und Backofen funktioniert. Zwar gewöhnungsbedürftig, aber immerhin. Etwas irritiert war ich heute morgen, als Michael wie sonst auch mit der Pfanne auf der Elktroherdplatte Toaster spielte. Ich hab ja in meinem Leben schon viele Herdplatten gesehen und benutzt. Aber diese hier, also unsere, die neue, die glüht wenn sie heiß ist. Und zwar lechtend rot, wie Lava. Das fand ich schon bemerkenswert. Ehrlich gesagt auch ein bißchen angsteinflößend. Nun ja, wir werden sehen.


Und dann hab ich doch tatsächlich meinen ersten Kuchen hier gebacken. Einen einfachen Streuselkuchen, Kerstins Rezept. In Ermangelung einer Waage habe ich dann mit Hilfe einer Tasse die entsprechenden Mengen an Zucker und Mehl geschätzt (das kann das Taschenmesser nämlich leider nicht). Es gibt hier allerdings keinen weißen Zucker, nur braunen. Naja, ich hab dann den hellsten braunen gekauft. Aber man ist der süß. Der Kuchen ist dank Umluft gut gelungen, aber der ist süßer als Zuckerwatte. Ich esse ja wirklich gerne Kuchen und ich liebe es auch süß. Aber dass ich mir nach einem Stück Kuchen erstmal ein Leberwurstbrot schmieren musste, um dem Zuckerschock zu entgehen, das hab ich auch noch nicht erlebt.


Heute waren auch mal wieder Handwerker im Haus. Es gab einiges zu tun. Eine Dusche tropfte, eine andere hatte zu wenig Wasserdruck, die Badewanne sollte nun endlich angeschlossen werden (man erinnere sich an das Desaster vor drei Wochen) und im Poolhaus  kam gar kein Wasser aus der Dusche. Keine Sorge, wir haben auch Bäder, wo alles funktioniert ;-)
Nachdem die zwei Handwerker alles besichtigt hatten, haben wir uns auf eine Vergütung von umgerechnet 45 Euro geeinigt. Für alles. Tatsächlich!

Und wir scheinen Glück zu haben. Die beiden arbeiten mit (ein wenig) Werkzeug und Eimern und Schüsseln (in die sie das Wasser laufen lassen). Bei einer Freundin wurde die Haushälterin vom Klempner angestellt und musste über eine Stunde lang den Daumen auf die offene Wasserleitung drücken, damit nicht soviel Wasser ausläuft. Von Wasser abstellen hält man hier nicht so viel.
Da haben Winnie und ich nochmal Glück gehabt ;-)

Freitag, 8. September 2017

die Langsamkeit der Bürokratie oder Flash...

Ach ja, die Bürokratie. Da ist man ja aus Deutschland so einiges gewohnt, aber ihr habt  keine Vorstellung von der keniatischen Bürokratie. Zettel über Zettel und Formulare über Formulare. Die muss man ausfüllen, seitenweise. Und dann werden alle Angaben, während man sich am Schalter die Beine in den Bauch steht in einer "Mordsgeschwindigkeit" in einen Computer eingegeben. Und dann viermal korrekturgelesen (jeden Buchstaben einzeln!) Und wehe irgendeine Kopie (meist von was total Unwichtigem) fehlt. Deckblätter zum Beispiel, auf denen nichts steht als sowas wie "Deckblatt". Kopierer gibts hier nicht, zumindest nicht in den Verwaltungen und Büros. Angeblich! Das bedeutet dann, so ganz nebenbei erwähnt, dass man am nächsten Tag erneut ein zwei Stunden Adventure durch den nairobischen Verkehr vor sich hat. Nun gut, hat man dann auch diese Hürden bewältigt und glaubt sich am Ziel, dann passiert folgendes:


Ich bin in dieser Geschichte übrigens der Hase.
Irgendwie sind die hier alle wie Flash. Michael nimmt das mittlerweile gelassen hin, aber ich kann das (noch) nicht. Wie um alles in der Welt kann man soooo arbeiten? Und das sind leider keine Einzelfälle. Zum Haareraufen...
Wahrscheinlich brauch ich vor dem nächsten Amtbesuch reichlich Baldrian.

...oder mehr von diesen leckeren Tree Tomatos. Die enthalten viele Vitamine. Ist auch gut für die Nerven. Wie ihr sehen könnt, leistet das Taschenmesser weiterhin beste Dienste.



Und ja, endlich. Endlich hat der blöde Einplatten-Erdogan ausgedient. Der Elektromarkt hatte eine Lieferzeit zwischen 11:00 und 12:30 Uhr angegeben. Und wie durch ein Wunder waren die tatsächlich halb zwölf hier. Eigentlich so gar nicht afrikanisch. Naja, liegt vielleicht daran, dass es ein indisches Geschäft war.

Und schnell waren die auch. Einer hat ausgepackt, einer installiert und Boniface ist mir nicht von der Seite gewichen, hat aufgepasst und auch mitgeholfen. Guter Mann...


Und da steht er nun, in voller Schönheit. Zwar wieder ein türkisches Modell, aber andere gibts hier nicht.


Mal sehen, wie wir ihn/sie taufen.

Montag, 4. September 2017

Glück im Blick

Nun sind wir hier fast allein. Naja, nur fast. Winnie und Boniface sind am Samstag ausgezogen. Ins sogenannte Village, also den nächstgelegenen Slum. Es war wohl eher Bonifaces Wunsch, Winnie wäre gern hier bei uns auf dem Grundstück in ihrem kleinen Haus (2 Zimmer, Küche, Bad, Dusche) wohnen geblieben. Sie kommen immer noch jeden Tag zum Arbeiten, aber nachts sind wir nun mit dem Nightguard allein.
So ein bißchen können wir es auch nachvollziehen. Die beiden haben eine kleine vierjährige Tochter - Natalie. Die wohnt aber zur Zeit noch bei Winnies Eltern, im Westens Kenias. Und nun wollen sie sie endlich zu sich holen. Und damit das Mädchen Spielkameraden hat und die Betreuung gesichert ist, gibts nun also seit Samstag eine Wohnung im Slum.
Wohnung ist auch gar nicht die richtige Beschreibung. Es ist eine kleine Blechhütte. Ein winziges Zimmer, keine Küche, kein Bad. Gekocht wird vor der Hütte. Toilette und Dusche gibt es wohl dort zur gemeinschaftlichen Nutzung irgendwo auf dem Gelände. Keine Müllentsorgung.
Michael und Raphael haben beim Umzug mitgeholfen und mit dem Auto die Sachen dorthin gefahren.
Für uns sind diese Zustände dort unvorstellbar, aber wenn man dort verwurzelt ist, Familie und Freunde um sich hat, dann kann es wohl eben auch ein Zuhause sein.

Sonntag vormittag waren wir beim Schuljahresanfangsgottesdienst in der Schule.


Es ging dort los mit Herbert Grönemeyer  - natürlich nicht live, sondern vom Band, aber trotzdem schön.

Der sang "Glück"  -         "du bist ein Geschenk,
                                          seit ich dich kenne
                                          trag ich Glück im Blick"

Passend, zur Begrüßung der Schul- und Kindergartenkinder.


Sehr schön. Ich denke so manchmal, wenn die Gottesdienste in Halle so wären, dann wären die Kirchen voller.

Abends sind Michael und ich dann nochmal allein losgezogen und haben entspannt ein Weinchen genossen.


Und vielleicht, ganz vielleicht, hat der olle Einplatten-Erdogan (den Michael zwischenzeitlich nochmal halbwegs funktionstüchtig gemacht hat) bald ausgedient.
Ich werde berichten.

Freitag, 1. September 2017

Wischkunde und Peace Peace Peace

Und da hatten wir mal wieder Besuch im Haus. Irgendwie ganz süß, diese kleinen Kerlchen. Und auf keinen Fall mit dem halleschen Spinnengetier zu vergleichen, welches mich zuweilen handtellergroß und schwarz und haarig an den Rand eines Herzinfarktes brachte. Dann doch lieber so.


Der Fairness halber muss ich allerdings erwähnen, dass es hier auch Schwarze Mambas gibt.
Nichts desto trotz verzichte ich lieber auf die Achtbeiner.

Heute morgen hatte ich seit langer Zeit mal wieder ein Déjà-vu. Ich saß da so über meiner Morgenlektüre und Winnie war bei der Hausarbeit. Die besteht ja momentan zum größten Teil darin, die Böden sauber zu halten und vom Staub der roten Erde zu befreien - unsere Möbel sind ja noch im Container auf hoher See.
Naja, und Winnie wischte und wischte und wischte munter vor sich hin. Irgendwann kam mir die Sache spanisch vor. Winnie wechselte das Wasser nicht aus. Sie wischte mit einem Eimer (da sind dann so 5 l drin) das ganze Erdgeschoss. Und das ist GROSS.
Das ganze hatten wir nach Konstantins legendärer Geburtstagsparty zu seinem 16. Geburtstag auch schon mal. Manch einer mag sich erinnern. Das war die Party statt mit uns angekündigten 8 Gästen mit ca. 80 bis 100 Feiernden - so ganz genaue Zahlen wollte uns damals niemand nennen. Und ja, das war die Party mit dem Einkaufswagen im Pool. Da hatten die Jungs hinterher versucht ganz ordentlich sauber zu machen und sogar gewischt... das ganze Haus mit einem Eimer. Der Fußboden glänzte ganz wunderbar, aber die Schuhe klebten bei jedem Schritt fest. Das lag wohl damals am verschütteten Bier.

Konstantin bekam damals von seinen Freunden den bis heute gültigen Namen "King of Homeparty" verliehen und von uns vier Wochen Hausarrest.
Mit Winnie hab ich heute statt dessen die kleine Haushaltskunde - Thema Wischen - durchgenommen.
Jedenfalls hat sie jetzt bei Michael und mir den Spitznamen "Konsti" weg.

Und gegen Mittag wurde ja dann hier vom obersten Gericht verkündet, dass die Präsidentschaftswahl, welche vor ein paar Wochen stattfand,  ungültig ist und in 60 Tagen Neuwahlen stattfinden.
Da saß ich dann mit Winnie vor dem Computer, wir schauten die Liveübertragung aus dem Obersten Gericht an und knabberten Kekse. Das war ganz spannend. Alles was ich nicht verstanden habe (mein englisch ist ja immer noch kläglich, aber das englisch der Kenianer ist auch nicht besser) hat mir Winnie übersetzt und erklärt.

So, und nun warten wir was passiert. Wir haben unseren Wocheneinkauf auf heute nachmittag vorgezogen, falls morgen die Geschäfte geschlossen sein sollten. Die beiden Präsidentschaftskandidaten rufen zu Besonnenheit und Peace Peace Peace auf.
Wir werden sehen...