Mittwoch, 4. Oktober 2017

Flug- und Staubgeschichten

Und da sind wir nun wieder zuhause angekommen. Was waren die Tage schön.
Anstrengend, vollgepackt mit Terminen, Verabredungen, Besorgungen. Aber wir haben unsere Kinder, Eltern, Geschwister und Freunde (zumindest einige - euch andere besuchen wir beim nächsten mal) gesehen, umarmt und gedrückt.
Und die Abschiede fielen diesmal viel viel leichter. Wir merken eben doch langsam, wie klein die Welt ist. Abends in den Flieger und zum Frühstück schon bei Mutti. Ist doch klasse. So gefällt mir das.

Und Fliegen wird auch so langsam zur Routine. Während andere um uns herum das ganze als Event betrachten, machen unsere Kinder während dessen ihre Hausaufgaben. Filme gucken war natürlich auch drin.


Tja, und jetzt sind wir wieder im Sommer gelandet. Leider ist es nicht nur sonnig und warm, sondern auch sehr sehr staubig. Winnie und Boniface haben diese Woche frei, um ihre kleine Tochter aus Westkenia zu sich zu holen. Das freut mich sehr.
Leider bedeutet das auch, dass ich jetzt nicht nur gefühlte 50 Kisten und 9 Koffer auspacken kann, sondern auch noch das Haus nebenbei saubermache. Eigentlich ist das allein schon als Tagesbeschäftigung ausreichend.

Ich habe mich dann gestern redlich bemüht, mit Winnies (hier üblichem) Wischmopp klarzukommen. Ich weiß ja nicht, was ich falsch mache, aber irgendwie fehlt mir dazu der afrikanische Dreh. Ich krieg das nicht hin. Irgendwie kann ich mit diesem Ding nur den Schmutz verteilen, aber nicht wirklich entfernen. Muss ich wohl mal bei Winnie in die Lehre gehen. Die kriegt das nämlich ganz prima damit hin.
Nun ja, aber irgendwie muss ich der roten Erde im Haus ja Herr werden. Also habe ich am Abend noch so ein super Wischteil erstanden. Mircrofaser, selbstauswringend, mit Kugelgelenk. Höllenteuer, aber damit ist mein Tag heute gerettet.


Samstag, 30. September 2017

"Man muss das Leben tanzen"

Ach, wie anstrengend sind die letzten Tage gewesen. Und wie schön es, dass es genau so ist. Wir sind am frühen Mittwochnachmittag zum Flughafen gefahren und haben unsere (nun ja vor Ort anwesenden Betten) freiwillig gegen die doch etwas beengteren Sitze der Swiss Air ausgetauscht. Und so verbrachten wir die Nacht zum Donnerstag mit gutem Service in der Luft. Und was für ein wunderbarer Empfang in Berlin. Mit Blumen und Frühstück.
Und dann ging es aber auch gleich weiter. Nach Wörlitz. Mein Großvater plante hier seit zwei Jahren seinen 90 (!) Geburtstag. Nun ja, der Tag war gekommen. Er war (auf ausdrücklichen eigenen Wunsch) ganz allein mit der Bahn hier angereist. Respekt! Und so folgte ein sehr schöner Abend im Kreise der Familie.

Am Freitag stand dann Halle, unsere alte Heimat, auf dem Plan. Also sind wir (wegen des hier exellenten Frühstücks) etwas eher aufgestanden. Das fiel aufgrund der bleiernden Müdigkeit allen etwas schwer, aber das Frühstück war es wert. Als Transportmittel stand uns das Auto meiner allerliebsten Mutter zur verfügung. Das mit dem Switchen auf den Rechtsverkehr gelang ganz gut. Allerdings werden wir nun auch hier unser Scheibenwischerproblem nicht los. Nur diesmal andersherum. Naja, mein Gott, was solls.
Als erstes besuchten wir meine "alte Heimat", das Krankenhaus. Es war so schön, einige von euch wiederzusehen. Leider war die Zeit viel zu knapp und ich konnte nicht alle besuchen. Beim nächsten mal, im Dezember, bring ich mehr Zeit mit.


Dann gings ganz schnell zu Hannibals Hörgeräteakustikerin und anschließend trennten wir uns. Nur für anderthalb Stunden. Während Michael mit Raphael in die Uni fuhr, brachte ich Hannchen zu ihrer Überraschungstanzstunde. Ach, hat sich die Kleine gefreut.



Und während Hannchen und Franzi Pirouetten drehten nutze ich die Chance und habe ein Schreibwarengeschäft leergekauft. Zumindest, was Heftumschläge und Hefter angeht. Wir führen jetzt also nach Africa die gewünschten Farben rosa, lila, gelb, orange, hellblau, dunkelblau, grün, rot, grau, braun, weiß, schwarz und türkis ein. Na dann muss ja jetzt in der Schule alles klappen. Im Kaufrausch habe ich sogar verschiedenfarbige Buchumschlagsfolien erstanden.

Und dann kam wie immer das Beste zum Schluss. Ein wunderbar herzliches Mittagessen mit alten Freunden.


Eigentlich sagt das Bild schon alles aus und dem ist nichts hinzuzufügen.



Montag, 25. September 2017

Rohrbruch, Wahlparty und Zahnverlust

Nun, ich hab es ja nicht anders gewollt. Jetzt steh ich hier also zwischen hunderten Kartons und versuche dieser Situation Herr zu werden. Es geht mühsam voran, immer eine Kiste nach der anderen. Und so langsam sieht das Haus von Stunde zu Stunde wohnlicher aus. Und die Garage füllt sich mit leeren Boxen und Unmengen von Papier und Knisterfolie (was für ein Spaß!).

Gestern Abend waren wir noch bei der Wahlparty in der deutschen Botschaft. Das war sehr nett. Verpflegung und Getränke sponserte die Botschafterin. Vom Ergebnis waren wir allerdings durch die Reihe weg geschockt. Es ist beängstigend, was sich da entwickelt. Hoffentlich gibt es vor der nächsten Wahl ein rechtzeitiges Erwachen.




Raphael hat natürlich mal wieder während der ersten Übertragung der Wahlergebnisse den Vogel abgeschossen. Ihm flog (nach einigem Wackeln) ein Milchbackenzahn aus dem Mund und natürlich, wie sollte es auch anders kommen, kullerte der irgendwo unter die Sitze der vor uns Plazierten. Und so krabbelten Raphael und Michael auf allen Vieren auf der Erde und suchten unter den (natürlich besetzten Stühlen) im Handylicht den Backenzahn. Wir wollten ja die Zahnfee nicht enttäuschen. Wenn sie sich schon auf den weiten Weg nach Afrika macht, dann soll sie unter dem Kissen auch was finden.


Ganz passend für uns war übrigens am Samstag beim Anschließen der Waschmaschine das Wasserrohr in der Wand gebrochen. Zum Glück steht die Waschmaschine im Waschraum, da waren dann andere Räume im Haus nicht betroffen. Der Klempner kam nach unserem etwas verzweifelten Anruf auch umgehend vorbei und wurde der Sintflut Herr. Heute morgen schaute er dann mit seinem Lehrling erneut vorbei und konnte richtig reparieren. Wir haben dann die Waschmaschine probelaufen lassen. Und dann saßen die beiden Jungs davor, schauten eine halbe Stunde zu wie sich die Wäsche in der Trommel fröhlich drehte und fanden das alles ganz toll.


Dann wollten sie auch noch die zweite Waschmaschine anschließen. Auf meine Erklärung hin, dass das ein Wäschetrockner sei, dessen Funktion ich wegen Unbekanntheit noch kurz erklären durfte, erntete ich allerdings nur verständnisloses Kopfschütteln. Hier würde schließlich den ganzen Tag die Sonne scheinen. Naja, jetzt bin ich wahrscheinlich die verrückte Deutsche. In Anbetracht des roten Staubes kann ich allerdings ganz gut damit leben. Außerdem mag ich meine Handtücher gern flauschig weich.


Samstag, 23. September 2017

Erstens kommt es anders...

Ach nix wars am Freitag mit dem Container. Aber das wußten wir leider erst am Abend. Von der Transportfirma wurden wir den ganzen Tag hingehalten. Aller paar Stunden erhielten wir Nachricht, dass der Container ETWAS später kommt, aber garantiert noch am Freitag. Und so saß ich den ganzen Tag auf Kohlen. Und ich war für meine Verhältnisse extrem nervös.
Wäre Rayane, meine Freundin, nicht gewesen, ich wäre durchgedreht. Die therapeutische Leistung lag darin, mich ganz selbstlos in ihrer Küche einzuspannen und Kuchen backen zu lassen. Und danach noch Waffeln. Das war wunderbar, wir hatten viel Spaß, die Zeit verging wie im Flug und geschmeckt hat es dann auch noch ganz vorzüglich.


                                                        Liebe Rayane, hab Dank dafür!
       Und auch für das Motto des Tages: "Das ist das Schöne an Afrika, man kann nichts planen:"

Den Abend haben wir dann trotzdem ganz relaxt beim Sundowner im Pfarrgarten verbracht.
Mit reichlich Rotwein, aber den hatte ich auch bitternötig. Nach dem dritten Glas verflog der Ärger und ich konnte mich dann auch wieder etwas entspannen.


Und heute war es dann endlich soweit. Früh morgens, kurz nach 8:00 Uhr rollte unser Container hier an. Und mit ihm ein ganzer Trupp rotbekittelter Auspack- und Aufbauhelfer.



Das ist wirklich wie Ostern und Weihnachten zusammen. Wir waren sooo aufgeregt.  Und die Jungs waren wirklich fleißig.


                         Und nach sage und schreibe fünfeinhalb Stunden war alles geschafft.


Und es sieht trotz der noch unzähligen auszupackenden Kisten fast schon wieder aus wie unser Zuhause.

Bemerkenswert war die Abfahrt der Jungs. Nachdem sie einen kleineren LKW mit Unmengen an Kartons, Papier und Folien gefüllt hatten, kletterten alle einfach da hinten in den Laderaum rein und setzten sich auf diese riesigen Berge von Verpackungsmaterial. Da hatte ich schon ein beklemmendes Gefühl und bin erst mal schnell um das Auto rumgelaufen und habe nachgeschaut, ob es da wenigstens Luftschlitze gibt. Gab es. Die machen das immer so. Nun gut, kenianisch eben.


Und nun genießen wir den Abend in unserem neuen/alten Zuhause.

Donnerstag, 21. September 2017

Vorfreude

Ach, naja. Eigentlich sollte unser Container ja heute ankommen. Aber wir machen das mal kenianisch: er kommt erst morgen.
Nun gut, immerhin. Und vor allem noch in dieser Woche.
Ich bin auf das Kistenchaos gespannt und freue mich wie Bolle aufs Auspacken. Und auf meine Waschmaschine! Die kenianische Art zu Waschen ist dann doch auf Dauer etwas anstrengend.

Heute habe ich schonmal Verpflegung für die Umzugsleute besorgt. Auf Empfehlung reichlich Toastbrot und Milch. Das war einfach.

Und dann haben wir alle Zimmer mit Nummern versehen. Damit die 238 Kisten auch in den entsprechenden Räumen landen.



Immerhin ein Plan. Wir werden sehen, ob er funktioniert ;-)
Ich werde das morgen allein managen müssen. Michael muss leider arbeiten.

Dienstag, 19. September 2017

CHC Medical Centre

Und ja,  ihr habt alle recht gehabt. Nach fünf Wochen hier juckt es mir doch schon wieder ein wenig in den Fingern. Und es gibt so unendlich viele Möglichkeiten.

Gestern habe ich mir mit einer Freundin das CHC Medical Centre angeschaut. Tolle Sache. Am Stadtrand von Nairobi und nur 15 Autominuten von hier entfernt. Angeschlossen an ein Waisenhaus und ursprünglich zur medizinischen Versorgung der Waisenkinder gebaut, werden aktuell ca. 2000 mittellose Menschen dort ambulant medizinisch versorgt.


Das hiesige Personal (Ambulanzschwestern) ist hervorragend geschult, macht Vorsorgeuntersuchungen incl. Abstrichen allein.  Und in regelmäßigen Abständen kommen dann deutsche Ärzte und halten ihre Sprechstunden ab. Je nach Fachgebiet bestellen die Schwestern vor Ort dann auch ein. Gestern haben wir eine zauberhafte Gynäkologin und einen sehr herzlichen Kinderarzt dort kennengelernt. Es gibt sogar ein Ultraschallgerät, ein kleines Labor, eine Apotheke. Ganz kostenfrei ist die Behandlung allerdings nicht. Jeder zahlt bei der Anmeldung umgerechnet ca. 85 Cent. Denn eines ist hier ganz klar: "Wat nix kost, dat taugt auch nix." Labor und Medikamente gibts dann aber kostenfrei.


Demnächst bin ich auch mal in die Notaufnahme des Aga Khan Hospitals und zum Begleiten eines schweitzer internistischen Kollegen eingeladen, der hier versucht kenianischen Ärzten gynäkologischen Ultraschall beizubringen. Ihr seht, mir wird nicht langweilig. Und ich finde es schön, einfach mal in alle Richtungen zu schauen. Mal sehen, was so passiert.....

Nebenbei erwähnt habe ich seit heute einen neuen kleinen Freund:


Hier tummeln sich nämlich Chamäleons in den Bäumen. Das hier ist ein kleiner Bursche.

So, und ich mag es ja gar nicht so richtig erwähnen. ABER, wenn alles gut geht und nix dazwischenkommt (und das geschieht hier leider oft), DANN kommt am Donnerstag oder Freitag unser Container hier an. Drückt uns bitte die Daumen. DANKE!

Sonntag, 17. September 2017

Großstadtdschungel und Giraffenküsse

Neulich Abend waren wir etwas irritiert. Unser Night guard Boniface (ja, wir haben zwei Boniface) trat seinen Dienst an und war ganz aufgeregt. Ein Telefonat nach dem anderen. Er tigerte unruhig hin und her durch den Garten und hatte permanent sein Handy am Ohr. Auf Nachfrage erzählte er dann, dass seine Frau gerade ein Baby bekommt. Und das nicht ganz unkompliziert. Uterus duplex, Beckenendlage, Zustand nach Sectio, immerhin 36. SSW. Und weil das Baby nun überraschenderweise verkehrt herum lag, wurde seine Frau unter der Geburt in eine Klinik verlegt, damit dann ganz schnell ein Kaiserschnitt gemacht werden kann. Oje, da haben wir dann mitgebangt.
Und nach ein paar Stunden gabs die gute Nachricht. Allerdings konnte er uns erst am nächsten Abend sagen, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Das Baby musste wohl sofort auf die Kinderstation, da bekommt man hier dann (wohl selbst als Mutter) nur wenig Auskünfte. Aber egal, es ist ein kleiner Junge, 2600g und allen geht es gut.

Die restlichen Tage der Woche waren relativ ereignislos, Alltag eben. Bis auf heute.
Nun bin ich ja in meinem Leben schon durch so einige Großstädte gefahren, aber hier kann man wirklich von Großstadtdschungel reden. Und ich rede nicht von den chaotischen Verkehrsverhältnissen. Nein, wir wollten die Giraffen besuchen und der Weg führte uns mitten durch das Stadtzentrum. Der Weg war hochinteressant:


                                          Als erstes blockierte eine Kuhherde unseren Weg.


                                    Mitten in der Großstadt riesige Marabus in den Bäumen.


                                     Natürlich waren auch Warzenschweine am Straßenrand.


                           Und die obligatorischen Ziegen auf dem Mittelstreifen des Highway.


                                    Über dieses Bild dürft ihr euch selbst Gedanken machen.

Nun gut, aber eigentlich wollten wir Giraffen füttern. Haben wir auch. Was für ein Spaß. Man unterschätzt, wie groß so ein Giraffenkopf aus der Nähe ist. Und küssen können die.....





Wir hatten jedenfalls unseren Spaß. Im Anschluß gabs noch Burger zum Mittag und jetzt sitzen die Kinder über ihren Hausaufgaben. Michael hilft ihnen. Nur ich sitze noch im Garten und genieße die letzten Sonnenstrahlen.