Montag, 19. Oktober 2020

Von Diani nach Tsavo oder Wie ich fast neben dem Präsidenten gefrühstückt hätte

Auszeiten sind schön. Auszeiten mit nur der Hälfte unserer Kinder leider nur halb. Trotzdem konnten wir die Tage am Meer genießen. Mittlerweile fühlen wir uns dort am Strand schon ein bißchen zuhause. Und doch fasziniert uns dieses Hängematten-Kokospalmen-Feeling stets aufs Neue. 

Vom Jetskifahren haben wir diesmal Abstand genommen. Die Kinder haben sich im Austausch dafür auf irgendsoeiner Gummiinsel durchs Wasser ziehen lassen. Da hat mir dann auch schon das Zusehen gereicht. 


Viel faszinierender als das badewannenwarme Meer war diesmal jedoch unsere Rückfahrt. Der Liebste war bereits einen Tag vor uns abgereist, um auf einer Konferenz zu weilen. Musste ich also mit den Kindern allein los. Wir fahren ja weiterhin konsequent ohne Ersatzreifen, weil dieser am Auto nicht vorgesehen ist. Ich sage euch...und jedes mal habe ich Herzklopfen und hoffe, dass ich nicht irgendwo im Busch mit einem platten Reifen liegenbleibe. Diesmal wars besonders spannend, weil nicht mal der Liebste uns in einer solchen Situation hätte retten können. Der Weg durch die Shimba Hills ist wundervoll, aber eben auch rough road und damit ein potentieller Reifenkiller. Es ging alles gut und auch die sich anschließenden 200 km auf der Mombasa Road, die nicht umsonst zu den gefährlichsten Straßen der Welt gezählt wird, waren irgendwann, nach Überholen gefühlt hunderter LKW, geschafft. Auf den letzten 150 km blinkte irgendein Lämpchen am Amaturenbrett recht verdächtig, aber der Wagen rollte und meine Devise war "bloß nicht anhalten", aus Angst, das Gefährt würde nicht mehr anspringen. 

Die Sorgen waren recht umsonst, wie ich später aufgeklärt wurde. Aber wer kennt denn auch schon die Bedeutung von all diesen Lampen und Lämpchen ;-) Ich hatte ja mal damit geliebäugelt hier den Flugschein zu machen, aber da gibt es in diesen Flugzeugen noch hunderte mehr von solchen blinkenden Anzeigen. Ich glaube das ist dann doch nichts für mich....

Wir trafen nahezu zeitgleich mit dem Liebsten am Tor zum Tsavo West ein.  Mitten im Park hatten wir eine Zwischenübernachtung gebucht, um die lange Heimfahrt etwas erträglicher zu machen. Und wir wurden nicht enttäuscht.....





Außer uns gab es nur noch wenige andere Gäste in der Lodge. Interessanterweise kamen die alle so nach und nach mit Hubschraubern an. Einzeln! Wir waren die einzigen mit Auto (und dann auch noch alle zu viert in einem). Die wenigen anderen schienen sich alle zu kennen. Jedenfalls lungerten die Hubschraubergäste alle in einer hinteren Ecke des Restaurants herum und wir hatten die riesige Terrasse quasi für uns privat. 


Laut Manager war die Lodge angeblich ausgebucht. Das Abendbuffett war überraschend gut und als Highlight bequemte sich sogar der Leopard 20m neben unserem Tisch ans Wasserloch und genoß seinen Sundowner. Das ist dann schon etwas schräg, wenn da so eigentlich gar nichts zwischen dir und den Tieren ist, aber wir waren alle friedlich und jeder genoß seinen Drink. Wir unseren mit Gin und Tonic, der Leopard begnügte sich mit Tümpelwasser. 

In der Nacht hörten wir die Elefanten tröten, Büffel und Hyänen schreien und freuten uns dabei in herrlich weichen Federbetten zu liegen. 


Beim Frühstück waren es genauso wenige Gäste wie am Vorabend. Seltsam. Der Kellner klärte uns dann auf. Am Vorabend war der Präsident erwartet worden, der hier mit einigen seiner Minister einen Abend verbringen wollte. Inclusive Übernachtung. Er hatte dann eine halbe Stunde vor seiner erwarteten Ankunft am Abend abgesagt. Ach wie schade. Das wäre doch mal was gewesen. Zusammen mit Präsident Kenyatta an der Eierstation des Frühstücksbuffets anzustehen ;-) Naja, vielleicht ja beim nächsten Mal....

Donnerstag, 24. September 2020

46 Jahre und endlich Ochsenblut an den Händen

Man lernt ja nie aus. So ziemlich das erste, was man dir beibringt, wenn du einen medizinischen Beruf ergreifst ist, dass die Fingernägel stets kurz und sauber und ohne Lack sein sollten. Das ist auch gar nicht schlimm und zugegebener Maßen auch in Anbetracht der Unmengen von Desinfektionsmitteln und Alkohol, die man sich tagtäglich in die Handflächen kippt, sehr praktisch. 

So, und nun ist aber Coronazeit und meine Arbeit im Medical Center ruht seit März. Außerdem ist es in Nairobi derzeit ziemlich ruhig, nix los. Keine Märkte, keine Parties, kein sonst was. Bis auf ein paar kleine private Sundowner alles ruhig. Der seit Monaten vorgeschriebene Curfew zwingt die wenigen geöffneten Restaurants bereits um 20 Uhr und uns alle spätestens um 21 Uhr die Haustür zu schließen. Und zwar von innen!

Es gibt also derzeit wenig Abwechslung in unserem Leben. Und nachdem ich mittlerweile die dritte Decke gehäkelt habe wird auch das langweilig. Was also tun, um mehr Farbe ins Leben zu bekommen?

Richtig.....Fingernägel lackieren. Der erste Versuch im Spa ging gründlich in die Hose. Man riet mir zu einem hellen Ton für den Anfang. Damit ich mich erstmal dran gewöhne. Schon allein der Name des Lackes versprach nichts Gutes. "Baby Doll". Na das war ja ein Mist. Meine Hände sahen nun mit den blassen Nägeln aus, wie die einer Toten bei der Leichenschau. Ich habs zwei Wochen lang ertragen, dann war meine Schmerzgrenze erreicht. 

Ein Farbwechsel musste her. Und der war radikal. Vom blassen Hautton, zum dunkelsten Rot, welches der Laden hergab. 

Volltreffer. Da musste ich nun 46 Jahre alt werden, um zu sehen, wie gut "Oxblood" an meinen Händen aussieht. Fingernägel wie in Ochsenblut getaucht. Sehr schön. Es wird meine Farbe bleiben. Selbst Johanna, unsere radikale Vegetarierin kann sich mit dem Namen anfreunden. 

Ansonsten gibt es nicht viel Neues. Zu meiner Wiederwahl als Gesamtelternsprecher hab ich endlich einen der praktischen Thermoteebecher mit Schullogo bekommen. Ich mach ja seit 2 Jahren ziemlich alles in der Schule mit. Vom Elternsprecher bis zum Berufsfindungsabend. Bisher gab es als Dankeschön immer Nilpferde aus Speckstein. Ich sage euch unsere Sammlung ist groß. 

                                                                 (eine kleine Auswahl)

Und irgendwann hatte ich mir mal geschworen, ich würde weitermachen, bis ich irgendwann einmal den Teebecher bekomme. Nicht, dass ich ihn nicht an der Rezeption  hätte käuflich erwerben können. Das wäre auch gegangen. Es war ein Spiel. Nun habe ich den Becher und der Preis ist das Elternsprecheramt bis zum Ende des Schuljahres ;-)   


Becher hin oder her, ich freu mich drauf. Es gibt wenige Schulen (und ich kenne aufgrund unserer Kinderschar sehr viele), an der unsere Kinder und wir uns jemals so willkommen gefühlt haben. Da kann man auch was zurückgeben. 

Die Schule hat mich also weiterhin, nur jetzt eben mit Ochsenblut an den Händen. 


Montag, 31. August 2020

Größe M oder Wie Iris von Arnim für meine letzte Panikattacke sorgte

Kennt ihr das, dass euch innerhalb von nur einem Sekundenbruchteil das Herz in die Hose rutscht und eure Schweißdrüsen Amok laufen?
Ich beneide alle Mitmenschen, die gelassen bleiben können, wenn Dinge schiefgehen.
Aber von vorn.....
Es ist diese besondere Zeit im Sommer, in der hier der große Wechsel stattfindet. Freunde gehen ... nach Deutschland zurück oder sonst wohin in der Welt. Neue kommen. Und das ist das besonders Schöne hier, dass Neuankömmlinge umgehend aufgenommen und integriert werden.

Und so kommt es dann auch, dass man nach nur einer Tasse Kaffee bereits die Wäsche von gestern noch Fremden wäscht. Nicht aus Fetischismus, sondern weil deren Container und damit auch die Waschmaschine noch auf hoher See weilen.

Und dann befindet sich unter all dem staubigen Safarizeugs ein hübsches Strickjäckchen. Ein gemeinsamer flüchtiger Blick im Vorfeld ins Etikett sagte klar und deutlich 30° Wollwäsche. Ich sage euch, es war die dritte Maschine, die ich mit besagtem Jäckchen bestückte und rasch das besprochene Programm startete. Inclusive edlem UN-Wollwaschmittel.
Die Maschine schnurrte und tat ihr Tagwerk während ich in der Küche werkelte.
Beim Aufhängen kam mir das Jäckchen dann doch etwas klein vor. Und ein Blick aufs Etikett ließ mich in Schockstarre verfallen. Begleitet von einem akuten Schweißausbruch, Herzrasen und weichen Knien. Nein, Ich war nicht schockverliebt. Auf dem Etikett stand "Iris von Arnim - reine Kaschmirwolle, Größe M". Ach du Scheiße. Diese Größe M war höchstens noch Kindergröße 152.
Wer den Neuwert dieser durchaus hübschen Teile kennt, weiß, dass wir uns hier im nahezu vierstelligen Bereich befinden.
Das war das erste Mal seit 15 Jahren, dass ich heilfroh war, eine gute Haftpflichtversicherung zu besitzen.


Wir hatten die Jackenbesitzerin nebst Familienanhang zum Sundowner und zur abendlichen Lasagne eingeladen. Zwei Stunden lang hab ich an diesem Nachmittag Blut und Wasser geschwitzt und nebenbei die Lasagne überkocht. Ob es an den kenianischen Nudelplatten lag oder an meiner Nervosität, kann ich nicht sagen, vielleicht eine Mischung aus beidem.
Nur, um etwas später zu erfahren, dass es sich um ein Kinderjäckchen handelte. Die von mir geforderte Anprobe gelang problemlos. Alles Herzklopfen umsonst.

Wir hatten trotz der mißlungenen Lasagne einen wunderbaren Abend am Gartentisch mit Lachen, Kerzenschein, reichlich gutem Rotwein und vielen verrückten Geschichten.


Freitag, 14. August 2020

Wie Mut manchmal belohnt wird oder Ich muss doch vollkommen bescheuert sein.....

Durch internationale Pandemieumstände sind wir ja nun gezwungen diesen Sommer am Indischen Ozean zu verbringen. Das ist jetzt an sich keine ganz unglückliche Situation, denn es gibt deutlich ungemütlichere Orte auf dieser Welt.

Allerdings haben der Indische Ozean und ich so unsere Beziehungsprobleme. Diese äußern sich nicht im flacheren Strandbereich, sondern, wenn wir unsere Beziehung vertiefen (im wahrsten Sinne des Wortes). Vielleicht erinnert ihr euch noch an das Desaster vor Sansibar.

https://abenteuernairobi.blogspot.com/2018/04/ruckblick-auf-sansibar-oder-unser-ganz.html

War ziemlich knapp damals.

Nun habe ich bereits solange ich denken kann eine gestörte Beziehung zu tieferen Gewässern. Sobald ich den Boden unter den Füßen nicht mehr spüre wirds mir komisch. Zu gruselig ist die Vorstellung, wie tief es da unter mir hinuntergeht und vor allem (noch schlimmer) was da so unter mir an Meeresgetier wimmelt. Hier am Strand holen die Fischer bereits ziemlich große Tintenfische aus manchmal nur knietiefem Wasser. Naja, wie auch immer.....

Und gestern hatte ich mal wieder einen meiner berühmten geistigen Aussetzer. Michael und ich hatten uns erkundigt wegen einer kleineren Jetski-Tour für Raphael. Und irgendwie (ich kann mich nicht genau erinnern wie es kam) haben wir dann statt der 20 minütigen Jetskifahrt für Raphael eine große Tour für uns alle vier aufs offene Meer gebucht. Manchmal hat man dann die Chance Define zu treffen.
Wahrscheinlich haben beim Wort Delfin bei mir irgendwelche Sicherungen ausgesetzt, jedenfalls hatte ich zugestimmt.
Nach einer recht unruhigen Nacht fanden wir uns dann heute Morgen am Strand ein, wo bereits drei Jetski auf uns warteten. Einer für Michael und Raphael, einer für mich und Hanni und einer für zwei Begleiter, damit wir auf dem Meer nicht verloren gehen.


Nun lassen sich diese Jetski recht einfach bedienen. Zumindest im flachen Wasser. Kommen Wellen dazu wirds spannend. Kennt ihr dieses Gefühl in irgendein bescheuertes Karussell eingestiegen zu sein und es bereits vor dem Losfahren zu bereuen? Ok, so ging es mir. Solange wir noch vor dem Riff unterwegs waren, war alles ok, aber dahinter ist eine andere Welt. Das türkise glasklare Wasser, in dem man metertief bis auf den Grund schauen kann, ist plötzlich schwarz, die Wellen meterhoch, der Wind rau. Und dann schaukelt man da auch auf so einem Jetski von der linken Seite auf die rechte. Das war nichts für meine sansibarmalträtierten Nerven. Der Gedanke und die Angst hier zu kentern ließen zunehmend Panik in mir aufsteigen. Und wir waren ja erst am Anfang der Tour und noch nicht mal richtig weit draußen. Wir hatten fantastische Guides, die meine Not, ohne, dass ich es artikulieren musste erkannten. Naja, ich zitterte ja auch am ganzen Körper wie Espenlaub. Sie schlugen vor, dass ich jetzt den Jetski wechsle und als Beifahrer weiterreise und im Gegenzug einer der beiden mit Johanna weiterfährt. Ja dachte ich, Gott sei Dank! Ich hatte noch nicht einen Schritt weitergedacht. Ich sollte nun also da draußen umsteigen. Fragt mich nicht wie, aber es ging ohne zu kentern und besser als gedacht.

Und dann war alles besser. Wir fuhren raus, weit raus...... das Ufer nur noch ein schmaler Streifen am Horizont. Wellen wie Berge. Mir ging es nicht wirklich gut, aber immerhin war ich panikfrei.
Und dann ganz plötzlich waren sie neben uns, um uns, unter uns. Eine große Herde der größten und schönsten Delfine. Vielleicht 15, vielleicht 20 Tiere. Und sie begleiteten uns. Wir stoppten und ließen uns zwischen den großen Wellen treiben und die Tiere blieben bei uns. So schön und friedlich.....und meine Angst war weg.




Manchmal lohnt es sich, sich seinen Ängsten zu stellen. Heute zumindest auf jeden Fall.
Und wieder ein Punkt auf der Bucket List, der erledigt ist.

Samstag, 1. August 2020

Nightmare in Diani

Es waren wunderbare Tage in Diani. Ein großartiges Haus (mit einigen Mängeln), vier fantastisch harmonierende Teenager, Sonnenschein, Palmen, Meer und Hängeschaukeln.

Klingt traumhaft. Trotzdem passierten auch in diesem Urlaub Dinge, die so nicht geplant waren.


Alles fing mit der gelben Wolle an. Und genau diese hatte ich zuhause vergessen. Blöderweise merkt man sowas ja immer erst beim Auspacken. Und so hing der Häkelhimmel erstmal ein wenig schief. Was macht man denn, wenn man für das Innere der geplanten 250 Gänseblümchenquadrate gelbe Wolle braucht? Kann ich euch sagen...einen Wollkurier finden. Gesagt getan, Kandidaten 1 bis 4 waren bereits an der Küste oder zumindest unterwegs auf dem Weg dorthin. Kandidatin 5 wurde dann mein Herzblatt und Wolltransporteur. Danke Antje!
Meine Morgen- und Abendbeschäftigung war also gerettet. Während Cordula stundenlang erzählen konnte, hörte ich zu und arbeitete weiter an Hannis Gänseblümchendecke.

Klingt alles traumhaft und harmonisch, wäre da nicht der zum Haus gehörende mißmutige Housekeeper gewesen. Man man man, es gibt ja in jedem Märchen irgendeinen Bösewicht. Housekeeper Jonathan war unserer. Schlechte Laune, böser Blick, Unhöflichkeit. Es war schon erstaunlich, was uns da für unseren beträchtlichen Reisepreis geboten wurde. Wäre der Kerl nicht im Besitz sämtlicher Schlüssel fürs Haus gewesen, wir hätten ihn gebeten fernzubleiben. Ging aber nicht. Immerhin konnten wir seine Anwesenheitsnotwendigkeit auf ein Minimum reduzieren.
Dafür heiterte uns Ali der Gärtner jeden Tag auf. Ein Sonnenschein in Person.

Gewagt haben wir uns in die Höhle des Ali Babour (angelehnt an den Ali Baba aus Tausendundeine Nacht). Nicht, um den Schatz zu stehlen, sondern um gut zu essen. Abgeholt wurden wir vom dazugehörenden Limousinenservice. Auch mal nett!


Die Höhle war spektakulär schön, besonders nach Sonnenuntergang, wenn alles golden schimmert. Das Essen war wunderbar. Getroffen haben wir die 40 Räuber nicht, lediglich ein paar davon, welche sich als Kellner verkleidet hatten.


Johanna hat ihr Lieblingsrestaurant gefunden....und das will was heißen!

Mulmig war uns dann in der letzten Nacht, nachdem wir Housekeeper Jonathan unüblich am späten Abend durch den Garten laufen sahen. Es war klar, er wollte auf dem Grundstück übernachten. Wir haben nach zwei Gläsern Rotwein (auf den Schreck) das Haus verrammelt wie nie zuvor.
Schlafen konnten wir zwei Mütter kaum. Zu viele Schritte ums Haus, Klappern an den Ketten und Vorhängeschlössern und hörbare Geräusche an der (zum Glück gut verschlossenen) Hintertür.
Mit reichlich Herzklopfen, wahrscheinlich einer großen Portion Paranoia und der Telefonnummer der Polizei im Anschlag haben wir irgendwie diese Nacht irgendwie überstanden.

Und eigentlich wäre es mir am Morgen besser gegangen, wenn da nicht der Rückflug angestanden hätte. Nicht, dass ich nicht nach Hause wollte. Das Problem sind eher diese Spielzeugflugzeuge.
Bereits nach dem Frühstück war mir schlecht. Das Imodium vom Hinflug war ja aufgebraucht, was also tun? Ich hab dann in meiner Handtasche eine Kopfschmerz- und eine Reisetablette gefunden. Auch Ärzte handeln in Paniksituationen irrational..... ich hoffte zumindest auf einen Placeboeffekt.

Geholfen hat es nur bedingt. Habt ihr euch auch schonmal beim Verlassen der Flughafentoilette gewundert, dass da im Mädchenbereich Pissoirs hängen? Ich hab ja schon so manches Mal an Autobahnraststätten die Herrentoilette aufgesucht, weil mir bei den Damen die Schlange zu lang war. Aber aus Versehen? ....naja.

Beim Anblick unserer Maschine verschlimmerte sich mein Zustand akut. Immerhin begrüßte uns wieder der nette indische Pilot, der uns schon hierhergebracht hatte.


Während des Fluges wurden wir durchgeschüttelt, wie ein von James Bond bevorzugter Martini. Wir kippten wir nach links und rechts, hoppelten, fielen ab und es hob uns gelegentlich aus den Sitzen.

Mit uns flog eine Dame, die wir bereits zwei Tage zuvor in der Strandbar eines besseren Hotels gesehen hatten. Dort fiel die "Lady in Pink, Plüsch und Glitzer" gemeinsam mit ihrem ganz in weiß  gekleideten Begleiter  durch schrilles Verhalten, Gesang am Tisch und aufreizende Tanzeinlagen auf. Außer uns gab es wohlbemerkt keine weiteren Gäste. Der Kellner muss wohl meinen amüsierten Blick gesehen haben. Jedenfalls fühlte er sich bemüßigt mich aufzuklären, dass es sich bei der Dame um eine sehr bekannte kenianische Schauspielerin handeln würde....Aha. Das erklärte einiges, aber nicht alles.
Für den Flug hatte sie nun kleidungsmäßig auf die rosa Federboa verzichtet, trug dafür allerdings Hut und so etwas wie eine rosa Taucherbrille. Auch mal was anderes.....

Alles in allem war es ein wunderbarer Urlaub. Trotz dieser Eigentümlichkeiten. Letztendlich haben wir Housekeeper und  Flugabenteuer überlebt und sogar die kenianische High Society nicht lieben, aber zumindest kennengelernt.




Gerne jederzeit wieder. Dann aber bitte mit Auto oder Zug und einem anderen Housekeeper.

Donnerstag, 16. Juli 2020

Vom Fliegen, Imodium und Andrea Berg

Jetzt sitze ich hier. Zusammen mit Cordula und unseren Kindern. Auf einer Hängeschaukel unter Palmen am Pool. Ein ganzes Haus nur für uns. In der Küche zaubern Maid und Housekeeper gerade das Abendessen. Nur ein paar Meter entfernt rauscht der badewannenwarme Indische Ozean. Klingt erstrebenswert.
Aber, oh man, was für eine Reise hierher.....



Am Flughafen (wenn man ihn ihn denn so nennen darf) war es hinsichtlich der Coronaschutzmaßnahmen vorbildlich organisiert. Sogar die Kinder und ich mussten die vorgeschriebenen 1,5 m Abstand halten.



Nach unzähligen Temperaturmessungen und Händewaschungen, inclusive der nachfolgenden Desinfektionen durften wir dann nach einiger Verspätung zum Boarding. Begleitet wurden wir von einem Äffchen im Katzenkäfig. Warum man Affen per Luftfracht hier an die Küste befördet ist mir schleierhaft. Hier gibt es Millionen davon.... Im Garten und im manchmal auch in der Küche.



Ich bin ja noch nie gerne geflogen. Aber an die großen Transatlantikmaschinen hab ich mich mittlerweile gewöhnt. Heute aber, da stand da so ein Miniflieger. 20 Passagiere. Links und rechts jeweils nur ein Sitz. Propeller. Immerhin gab es Anschnallgurte und der indische Pilot mit Turban wirkte nett und vertrauenswürdig.



Irgendwann ging es dann los. Und schneller als gewohnt waren wir in der Luft. Hanni hielt meine Hand (oder ich ihre....das war nicht so ganz klar) und dann gings etwas wackelig durch die Wolkendecke. Bis zum Kilimandscharo war alles hübsch. Traumhafte Sicht auf diesen ganz besonderen Berg. Ich hörte in Gedanken meine Mama in der heimischen Küche singen "Hoch auf dem Kilimandscharo, da liegt im Sommer noch Schnee...". Das erinnerte mich an das Andrea Berg Konzert in der Waldbühne, für das ich meiner Mutter vor einigen Jahren Karten geschenkt hatte. In der Waldbühne darf man ja noch Picknick machen und Getränke mit hineinnehmen. Tat meine Mutter auch. Der Rotwein in der 0,5l Wasserflasche drehte allerdings ordentlich in meinem Kopf. Sie hatte ihn heimlich verdünnt, mit Vodka!
Mütter......

Deshalb Mama, dieses Foto ist nur für dich:


Je weiter wir uns der Küste näherten, um so unwohler wurde uns. Cordula wurde übel und bei mir krampften sich die Eingeweide. Nun gibt es ja in solchen Spielzeugfliegern keine Toilette. Allein dieser Gedanke lässt einen in so einer Situation schonmal verzweifeln. Nun habe ich immer ein Medikamenten Notfallpäckchen in der Handtasche. Und da fanden sich noch Reste von Imodium akut. Ich habe aus Angst erst eine genommen und dann im Rahmen einer aufsteigenden Panikattacke noch eine zweite.
Wahrscheinlich kann ich jetzt zwei Wochen lang nicht aufs Klo, aber egal.

Auch beim Aussteigen wurde Temperatur gemessen. Die lag bei mir bei 32,1°. Erstaunlich, ich verstehe jetzt den Spruch, dass bestimmte Situationen einem das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Immerhin bin ich jetzt in der komfortablen Situation, an einem der schönsten Strände der Welt auftauen zu dürfen.

Darauf einen Gin & Tonic. Cheers







Montag, 6. Juli 2020

Was nützt einem das Paradies, wenn das Herz Sehnsucht nach Hause hat.......

Ich glaub´s nicht. Wir können tatsächlich nicht nach Deutschland kommen. Wochenlang haben wir gehofft, die Sommerferien mit allen Kindern, Eltern, Geschwistern, Freunden verbringen zu können. In unserer kleinen und wundervollsten Familien-Ferienwohnung in Wustrow wollten wir knapp fünf Wochen verbringen. Schnattern, Picknicke am Strand, Sundowner am "kalten Meer", Reiten bei Frauke auf dem Lieblingshof und hunderte wundervolle Dinge mehr.
Die Flugtickets liegen seit Monaten bei mir auf dem Schreibtisch.

Ich fass es nochmal zusammen:     Es wird nix draus.

Kenia öffnet den Flughafen für den internationalen Flugverkehr erst Anfang August.

Was für ein Dilemma. Da liegt uns nun eines der faszinierendsten Länder der Welt zu Füßen, die Nationalparks touristenfrei und voll ungezählter Tiere, die Great Migration sozusagen als Privatvorstellung, die Lodges zu bezahlbaren Preisen, die schönsten Strände der Welt quasi für uns allein.




Aber was nützt einem das Paradies, wenn das Herz Sehnsucht nach Hause hat.......
Nach dieser wunderbaren, verrückten Familie.....


Wir werden trotz allem versuchen, aus diesen Wochen etwas Großartiges zu machen. Kenia ohne Touristen, diese Chance bekommt man wahrscheinlich nur einmal im Leben....
Wir werden sie nutzen