Mittwoch, 24. April 2019

Krank von A bis Z (Auto bis Zahn)


Ach ja, ich erinnere mich, dass ich am letzten Schultag vor den Osterferien dachte „Gott sei Dank, endlich Ferien.“ Ich hatte Faulenzen eingeplant, rumlungern und einfach mal gar nichts machen.

Naja, ihr ahnt es sicherlich. Träume sind Schäume….
Jeden Tag war ich unterwegs. Auf den Straßen, im Kirchbüro und im Internet. Unzähliges galt es zu Planen, zu Organisieren, Abzusprechen und Vorzubereiten.

Ganz nebenbei färbten wir Eier und schmückten Bäume. 





Ganz besonders in Anspruch nahm mich die Vorbereitung des Ostermorgen. Es war das erste Mal, dass wir diesen Tag in der Kirche selbst gestaltet haben. Diesmal ohne Pastor, nur wir Gemeindemitglieder. Besondere Situationen erfordern eben besonderes Handeln. Und so trafen wir uns, erschufen Ablaufpläne, verteilten Aufgaben und übten Singen.
Und während der Eine eine wunderschöne riesige neue Osterkerze aus Deutschland mitbrachte, suchten andere Lieder aus, besorgten Dekoration, rekrutierten Sangeswillige und organisierten Gaben für ein gemeinsames Frühstück. 












Und es ist gelungen, Dank vieler vieler Helfer. Ein wunderschöner Ostermorgen. Eine Osterandacht mit Taizéelementen. Könnte ich öfter haben.
Der Liebste war nicht ganz so glücklich über die Zeit der Andacht. 6 Uhr morgens wirkte auf ihn nahezu provokativ. Mal sehen, wie es nächstes Jahr mit einem neuen Pastor wird. Vielleicht ja komplett anders? Ich bin gespannt…

Und dann war endlich der Ostermorgen geschafft, alles war gut über die Bühne gegangen, alle zufrieden und Erleichterung machte sich in mir breit. Leider nur unterhalb meines Kiefers. Zumindest des rechten unteren. Der schwoll nämlich an. Da hab ich nun seit vielen Jahren einen Mitbewohner namens Weisheitszahn und der wollte nun auch mal anklopfen. Tat er auch und zwar kräftig und ausdauernd. So hatte ich mir den Ostersonntag nun wirklich nicht vorgestellt. Da lag ich nun also, nach WhatsApp gesteuerter zahnärztlicher Konsultation der liebsten Eltern jammernd und die Wange kühlend auf der Couch. 

Und während sich alle anderen an Osterschokolade labten, sah mein Menü folgendermaßen aus:



Knochengängige Antibiotika, Wasser, brauner Rum (so macht das Spülen wenigstens ein bißchen Freude!) und Kamillentee. Halleluja…

Und, um uns allen eine Freude zu machen (wahrscheinlich nicht ganz uneigennützig) schlug der Liebste vor, das Abendessen aus dem Village Market zu besorgen. Sozusagen verzehrfertig. Der Plan an sich war gar nicht schlecht, ließ sich jedoch nicht umsetzen. Unser Auto sprang nicht an. Na prima. 
Wie sich am nächsten Nachmittag herausstellte, war es diesmal die Batterie. Zum Glück, denn so kostete uns der Mechaniker nur 10 $. Hätte schlimmer sein können.

Und es gibt noch etwas großartiges zu berichten. Es regnet. Endlich! 



Gegen Mittag begannen Sturzbäche vom Himmel zu schießen. Die Erde dankt. Wir nehmen in Kauf, das wir deshalb seit nunmehr 24 Stunden ohne Strom ausharren. Irgendwann kommt er wieder, ob heute oder morgen, das weiß man hier nie so genau. 
Aber irgendwann bestimmt…..

Dienstag, 16. April 2019

Drum prüfe deine Nachbarn....

Ist das Karma? Im Moment bin ich wirklich ratlos. Seit wir hier in Nairobi leben häufen sich in meinem Leben Wasserprobleme diversester Art und Schießereien.

Wer hier einen Zusammenhang sieht, immer her damit. Ich bin interessiert...

Da sind wir nun also vor einigen Monaten umgezogen. Ein paar Straßen weiter nur, aber immerhin. Und nach wie vor im gut bürgerlichen villengeprägten Runda. Es gibt in der Tat schlechtere Orte zum Leben. Zwar wissen wir immer noch nicht, woher die Knochen in unserem Kamin kommen, aber egal.
Wir leben einträchtig mit Hund und Katze, Schlangen, Chamäleons und neuerdings zwei großen schwarzen Affen.
Nachbarn haben wir auch. Gouverneure und Senatoren. Da sollte man doch meinen, es gehe beschaulich zu in unserer Straße. Pustekuchen....

Vorgestern, am späteren Abend lümmelten wir mit den Kindern einträchtig vor der Flimmerkiste, als es plötzlich klingelte. Nanu, um diese Zeit? Unser Guard wollte uns über eine lautstarke Auseinandersetzung diverser Personen in unserer Straße informieren. Und was macht der Liebste? Der hat nichts besseres zu tun, als nach draußen vors Tor zu gehen und in bestimmendem Ton Ruhe einzufordern. Nun war es auch drinnen zu hören, es wurde lauter und lauter und dann fielen Schüsse.

Während ich nun also in Windeseile die Kinder in einen sicheren Raum schickte und die Lichter im Haus löschte, bewaffnete ich mich nun ebenso und öffnete die Haustür um den Liebsten zu retten. Der kam mir nun allerdings zügig und vor allem lebend und unverletzt entgegengelaufen. Der Tumult galt nicht uns. Geschossen wurde weiterhin. Auf dem Nachbargrundstück. Das ist das vom Gouverneur. Der Sicherheitsdienst war vor Ort, es wurde gekämpft, geschrien, geschossen.
Währenddessen versuchten wir, auf dem Boden im Dunkeln zusammengekuschelt, die Kinder zu beruhigen. Und das war schwer. Eigentlich, wegen der nicht zu überhörenden Vorgänge draußen, unmöglich. Kinderlieder waren dann die Rettung. Zumindest, um die größte Angst zu nehmen.

Irgendwann nach sage und schreibe 4 (VIER!) Stunden erschien dann die Polizei, um die Banditen festzunehmen. Das ist tatsächlich rekordverdächtig, da die Polizeistation nur 200 Meter von hier entfernt ist. Und damit meine ich nicht Luftlinie, sondern Spazierweg!

Nun sind die Gauner also  seit gestern Morgen eine Straße weiter im Kerker der Polizeistation. Und unsere Straße wirkt friedlich wie immer.

Vielleicht liegt es ja doch an uns. Es ist immerhin das zweite Mal, dass auf unseren Nachbargrundstücken geschossen wurde. Im letzten Jahr war sogar eine Handgranate im Spiel. Immer sind es Politiker, die involviert sind. Ehrlich gesagt wundert mich das hier nun nicht wirklich besonders.

Gelernt haben wir von Mogadishu-Erfahrenen, dass wir das nächste Mal im Erdgeschoss bleiben sollen. Querschläger treffen nämlich besonders häufig das Obergeschoss.

Und eines habe ich außerdem gelernt, sollten wir jemals wieder umziehen, werde ich zuvor an allen Nachbarhäusern klingeln und die Leute nach ihren Berufen fragen.

Freitag, 29. März 2019

Tarantino und unser Kamin

Ja, es klackert. Ab und zu. Von Zeit zu Zeit. Zumeist in den Abendstunden.
Da sitzen wir entspannt bei einem Glas Wein, genießen dank Netflix Tarantino und dann macht es an manchen Abenden Plopp oder Klack oder Rums. Je nachdem. Dabei haben wir in solchen Situationen genug Splatter auf dem Bildschirm.
Bei uns regnet es nämlich am Abend im Kamin. Nein, diesmal haben wir, man möge es kaum glauben, tatsächlich keine Wasserprobleme.


Es regnet Knochen!!!
Diverse. Rippchen, Oberschenkel und so weiter.  Erstaunlicherweise aber immer nur Knochen. Kein Stroh, kein Ast, keine Früchte. Nein, Knochen. Säuberlich abgeknabbert.



Wir hatten ja schon vor einiger Zeit bemerkt, dass der Rauch in unserem
Kamin nicht wunschgemäß abzieht und es ordentlich ins Haus qualmt. Nun wissen wir zumindest, dass da drinnen im Schornstein jemand wohnt. Aber wer? Oder was?

Auch bei intensivstem Lauschen ist keinerlei Geräusch vernehmbar. Nicht mal ein kleinstes Rascheln.
Wahrscheinlich werden wir unseren Boniface demnächst mal aufs Dach schicken, um nachzusehen. Irgendwie müssen wir dem Kaminschornsteinbewohner ja kündigen.

Wir werden beobachten und berichten. Falls jemand eine Idee hat, immer her damit.






Sonntag, 17. März 2019

Eine kenianische Hochzeit oder wie ich die Toilette des Bischofs benutzen durfte

Da hatten wir doch, gemeinsam mit einem befreundeten Paar, das Glück, zu einer kenianischen Hochzeit eingeladen zu sein. Gestern. Das ist schon etwas Besonderes. Gerade für uns als Muzungus hier in Afrika. Eingeladen hatten uns Duncan & Rosalyn. Den Bräutigam kenne ich aus Mathare. Er arbeitet dort als Sozialarbeiter in dem Projekt, in welchem wir immer die Sanitary Pads nähen lassen.
Im Grunde genommen wußten wir nicht so recht, was da auf uns zu kommt. Nachdem wir also am Morgen die Kinder "verkauft" hatten, das Geschenk gebastelt war (ein paar größere Geldscheine filigran gefaltet und arrangiert), hübschten wir uns auf und tranken einen letzten Kaffee. Wir hatten Michaels Fahrer für den Morgen bestellt und hofften, dass er den Ort der Feierlichkeiten leichter finden würde, als wir. Wir verließen also das städtische Nairobi und fanden uns bald in völlig unbekanntem Gebiet wieder. Tiefster Slum. Die Kirche mittendrin, schwer zu finden. Und nun denkt man ja als Frau in so einer Situation praktisch und bittet den Fahrer, doch mal jemanden am Straßenrand nach dem Weg zu fragen. Ich bin mir nicht sicher, vielleicht ist das ja irgend sowas genetisches auf dem Y-Chromosom. Auch kenianische Männer scheuen sich davor, so etwas Entwürdigendes zu tun. Half ihm allerdings nichts, unser zunehmendes Fordern ließ ihm keine Wahl.

Irgendwann waren wir dann am Ort der Feierlichkeiten angelangt. Die Gegend war für mich nach  nun fast zwei Jahren Kenia immer noch derart beängstigend, dass wir unseren Fahrer in diesem Moment für den ganzen Tag buchten. Und so hatte ich zumindest stets das beruhigende Gefühl, das Auto steht direkt vorm Eingang.

Und mir war ja klar, das es nicht, wie auf diversen Programmen angekündigt, morgens um zehn losgeht. Aber als um halb zwölf endlich ein großes Auto mit bunten Lichtern reifenquietschend vorfuhr, hoffte ich doch inständig, die Braut würde nun endlich erscheinen. Nö. Es war der Bischof. Angesichts der Größe seines Autos war mir augenblicklich klar, dass die Kollekten hier sehr großzügig ausfallen müssen. Der Bischof erschien also mit zwei Bodyguards in schwarzen Anzügen, die sich übrigens in der gesamten Zeit seiner Anwesenheit, das Funkgerät ständig in Bereitschaft, maximal fünf Meter von diesem entfernten. Ist ja auch gefährlich in so einer Kirche.



Nach nun jedenfalls reichlich Tamtam und Tänzen und Brimbamborium erschien dann irgendwann mit zwei Stunden Verspätung die Braut. Hallelujah.


Mittlerweile waren wir ob der unerträglich lauten Beschallung schon fast taub. Ich habe selten in meinem Leben meine Trommelfelle vibrieren gespürt. Gestern allerdings schon. Die Trauung zog sich nun ein wenig hin. Viel Gesang, viel Tanz, viel Predigt. Und zwischendurch immer wieder für ein paar Sekunden das Einspiel einer Harmonium Orgel, die genauso blechern klang, wie früher in den 70-iger Jahren. Erklang jedenfalls die Orgel, standen alle auf, bewegten Schultern, Arme und den Hintern im Sinne einer kurzen Tanzeinlage und setzten sich dann wieder. Nun war also nach geraumer Zeit die Trauung vollzogen. Es war mittlerweile gegen ein Uhr mittags. Aber nein, es war nicht zu Ende. Ohne Unterbrechung begann nun der Gottesdienst. Wieder Predigten, Gesang und Tanzeinlagen. Ich verstehe jetzt auch, warum in afrikanischen Kirchen so oft zwischendurch getanzt wird. Man kann gar nicht stundenlang auf diesen Plastikgartenstühlen sitzen. Da ist die Bewegung zwischendurch eine willkommene Abwechslung.
Ich brauchte nun allerdings, ob dem immensen Lärm, eine Pause. Und was bietet sich da an? Frauen müssen doch immer mal ihre Blase erleichtern. Immer ein guter Grund. Und wie ist das so bei Frauen, die gehen gemeinsam aufs Klo. Aus diesem Grund befand Sigrid, die neben mir saß, es für wichtig, mich zu begleiten. Nun gab es da allerdings gar keine öffentliche Toilette. Allerdings genügend Wachpersonal für den Bischof. Und, ja, ich schäme mich ein wenig, aber manchmal ist es hier hilfreich, blond und hellhäutig zu sein. Uns wurde jedenfalls angeboten, die ansonsten verschlossene und wahrscheinlich heilige Toilette des Bischofs zu benutzen. Dem Himmel sei Dank! Dazu mussten wir dann auch sein Büro durchqueren. Einblick ins Allerheiligste der Kahawa West Gemeinde.

Nach unserer Rückkehr geschahen weitere merkwürdige Dinge. Dem Bischof standen zwei Diener zur Seite. Einer hielt das Mikrofon, der andere war Schweißabwischer und kam dieser Aufgabe auch aller zwei Minuten sorgfältig nach.



Merkwürdig war ebenfalls, das nach diversen Hallelujahs eine Art Kunstschnee (oder vielleicht auch Rasierschaum) aus Dosen in die Luft gesprüht wurde. Sozusagen als eine Art Konfetti-Ersatz. Immerhin innovativ.




Wie auch immer, es gab so einige Merkwürdigkeiten. Zum Beispiel das Aquarium im Altarraum, die zwei Throne und nicht zu vergessen, die sich wiederholenden Polonaisen durch die Kirche.

Irgendwann war es dann aber geschafft. Und die gesamte Kirchgemeinde, also etwa 350 Personen, machte sich auf den Weg. Die Lokalität wurde gewechselt. Ein paar Kilometer weiter fanden wir auf einem Feld Festzelte, ein aufgebautes Buffett und natürlich einen Alleinunterhalter mit Mikrofon und ohne Hemmungen.

Uns wurde ein ganz netter Platz zugewiesen und ein Anstellen an der langen Schlange am Buffett wurde uns verwehrt. Nein, das ginge nicht. Und so wurden wir schnurstracks nach vorne geführt.


Das Essen schmeckte ganz passabel. Es war allerdings mittlerweile auch schon nachmittags um drei und der Hunger war groß. Da die Zelte auf nahezu freiem Feld aufgebaut waren, fegte der Wind immer mal wieder eine ordentliche rote Sandwolke über die Teller und das Essen. Machte uns nun mittlerweile auch nichts mehr aus.

Als Getränk bot der Cateringservice etwas ganz besonderes an:


Eigenes, ganz persönliches Hochzeitswasser. Auf der Rückseite wurde dann auch noch die gleiche Möglichkeit der Flaschenpersonalisierung für Geburtstage oder Beerdigungen beworben.


Ein Wasser also, für alle Gelegenheiten. Ob dann allerdings bei den Beerdigungen das Foto des Verstorbenen auf das Etikett gedruckt wird... das wäre schon interessant.

Und wieder gab es Tanz und Spiele und Polonaisen. Der Zeremonienmeister scheute nix.



Bei einem der Spiele wurden unsere Männer eingebunden. Wir dazugehörigen Frauen mussten sie dann auslösen, ansonsten wären sie versteigert worden. War schwierig, da diese Ansagen und Erklärungen nur in Suaheli gemacht wurden. Wohlweislich in der Annahme, dass wir weißen Frauen unsere Männer dort sitzen lassen. Der Zeremonienmeister hätte nämlich seine helle Freude an der Versteigerung gehabt.


Aber da war sie wieder. Die weltweite, Kontinente und Hautfarben ignorierende, Solidarität unter Frauen. Wir wurden sozusagen von unseren kenianischen Sitznachbarinnen aufgeklärt und in Richtung unserer Männer geschickt. Mit der klaren Ansage, sie UNVERZÜGLICH und SOFORT abzuholen. Haben wir gemacht und unsere Gatten waren sichtlich erleichtert.


Auf den Genuß der Hochzeitstorte haben wir dann allerdings verzichtet. Hübsch sah sie aus, aber selbige stand den gesamten Tag über in der Sonne.


Was bleibt zu sagen? Es war großartig, laut, fröhlich und ein bißchen scary.

Danke an Duncan & Rosalyn, dass wir diesen großartigen Tag mit euch gemeinsam erleben durften.


Freitag, 15. März 2019

Kuriositäten aus meinem medizinischen Alltag

Mannomann, war das eine Woche.....
Der Einstieg gelang mir ja als meine eigene Patientin. Magen-Darm war das Motto. Und während die Kinder und ich uns montags noch kaum aus der Nähe der Badezimmer trauten und Bettwärme genossen, sah der Dienstag schon anders aus. Zumindest für mich. Viele Jahre Schichtdienst, permanente Unterbesetzung und wahrscheinlich auch ein angeborenes ,nicht rational zu erklärendes' Helfersyndrom trieben mich bereits am Dienstagmorgen aus dem eigenen häuslichen Schutzraum hinein ins medizinische Durcheinander. Da hatte ich doch auf Milde gehofft. Und nur ein paar Patientinnen. Sozusagen zum Antesten, wie weit ich es schon schaffe. Pustekuchen. Bereits am frühen Morgen hatten sich 28 Frauen angemeldet. Na dann....
Während Raphael sich also daheim in meiner Abwesenheit mit einer Riesentafel Schokolade selbst kurierte....


....hörte ich mir in der Sprechstunde die unterschiedlichsten Geschichten an. Ihr kennt ja bereits aus meinen Erzählungen das allgemeine Spektrum aus "ich werde nicht schwanger", "ich möchte nicht schwanger werden" bis hin zu "ich bin schwanger". Und so ging das also die Woche durch bis heute Nachmittag. An die hundert Mädchen und Frauen. Jede einzigartig. Und es war wieder alles dabei. Von septischer Nierenentzündung, einem gigantischen Ovarialtumor bei einer 7-jährigen, einer seit 35 Jahren liegenden Spirale (ich weiß nicht, ob ich jemals vorher so ein Modell gesehen habe), einem beidseits bis auf die Muskulatur herunter weggefressenen Brustkrebs und einer Frau, deren vor 12 Jahren geborenes Kind an einer Deformität der Beine leidet. Damals hatten ihr die Ärzte erklärt, schuld daran wäre ihre Gebärmutter. Und nun nach 12 Jahren war der Wunsch nach einem zweiten Kind so groß, dass sie mal ihre Gebärmutter untersuchen lassen wollte. Letztendlich war alles hübsch. Manchmal kann man bei diesem hanebüchenen Unsinn nur den Kopf schütteln.

Zwischendurch hatte ich noch zwei Medizinstudenten aus Deutschland als Hospitanten, welchen in den zwei Stunden  ihrer Anwesenheit Augen und Ohren schlackerten. Hier sieht man einfach Dinge, die man wahrscheinlich in Deutschland nur aus Büchern kennt.

Und zwischen all dem Gewusel, fragte mich eine der Patientinnen (bereits auf dem Untersuchungsstuhl liegend), ob ich auch andere als medizinische Dienste anbieten würde. Hä? Hatte ich da richtig gehört? In der Tat. Sie fragte mich, ob ich bereit wäre, sie zur Bank zu begleiten. Sie hätte doch tatsächlich in erworbenen Second Hand Klamotten einen 1.000.000 Dollar Schein gefunden. Allerdings besitze sie gar kein Bankkonto, aber ich hätte doch bestimmt eine Bank. Und jetzt wäre sie so glücklich und möchte ihn einlösen. Ich durfte das gute Stück sogar mal in Augenschein nehmen. Ach du meine Güte! Eine junge Frau, Mitte zwanzig, bettelarm, mit einem kleinen Mädchen auf dem Schoß und nun seit vorgestern im Land der Träume. Von einem Leben ohne Not, ohne Hunger, ohne Leid.


Nun gab es allerdings drei Probleme:  Erstens biete ich nur medizinische Dienstleistungen an,  Zweitens handelt es sich um Spielgeld  und Drittens: wie bringe ich es übers Herz, diesen Traum zu zerstören? Wir haben ihr dann gemeinsam ganz vorsichtig erklärt, dass es sich wahrscheinlich nicht um echtes Geld handelt. So richtig geglaubt hat sie uns nicht, nächste Woche will sie es bei einer Bank versuchen.

Und während wir uns also mit Geld- und Bankproblemen herumschlugen, hackte sich vorm Fenster einer der Gärtner im Häcksler den Finger ab. Und zwar richtig! Wenn schon, denn schon...


Und ich dachte immer, nach Geburten muss man am meisten putzen. Man lernt eben nie aus...
(der Gärtner wurde dann ins Krankenhaus gefahren, der Finger war allerdings dank Häcksler nur noch in Kleinteilen vorhanden und somit unrettbar).

Und vorgestern, als ich gerade Schluß machen wollte und wir mit der letzten Patientin durch waren, standen vor der Tür 5 Patientinnen vom Vormittag. Alles sehr nette ältere Damen. Eigentlich waren alle gut versorgt. Es handelte sich bei ihnen um Nachkontrollen oder andere Kleinigkeiten. Nun war es aber geschehen, dass eine ihrer Freundinnen an diesem Tag einen kompletten Gynäkologischen Checkup bekommen hatte. Den machen wir pro Frau einmal im Jahr. Und dazu gehört nun eben auch die Untersuchung der Brüste. Das fanden diese fünf so toll, dass sie also zurückkamen und fragten, ob ich das nicht auch noch machen könnte. Das sind dann so Momente, wo auch mir der Mund offen stehen bleibt. Was solls, hat mich ne halbe Stunde gekostet und alle fünf sind gemeinsam fröhlich schnatternd nach Hause.

Sonntag, 10. März 2019

Vom Glück, viele Badezimmer zu besitzen....

Ach ja, es gäbe so viel zu erzählen. Die letzten Wochen waren ereignisreich. Schwimmfest, Projektwoche und Open Day in der Schule, Pferderennen, Parties und andere wunderbare Dinge. Auf der anderen Seite wiederum Schüsse vor der Schule incl. mit Kopfschüssen hingerichtete Gangster und natürlich der entsetzliche Flugzeugabsturz gestern morgen.

Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb will ich euch heute von anderen Dingen erzählen.
Ich habe ja nun schon ein paar mal darüber berichtet, dass ich von Zeit zu Zeit und meistens freitags in einem kleinen Medical Center arbeite. Für lau. Aber es macht Spaß.


Von den Freitagen mal abgesehen, gibt es einen Jahreseinsatzplan für alle Ärzte. Das macht ja auch Sinn. Ich bin in diesem Jahr dreimal für jeweils eine Woche dran. Da denkt man sich, das sollte doch machbar sein. Da habe ich nun also diese eine Woche (beginnend heute!) Dienst.  Und dann kamen eine Abendveranstaltung nach der nächsten ausgerechnet in dieser Woche dazu. Heute ein Abendessen mit irgendwelchen US Amerikanern, bei dem es um die Starkids Schule geht. Morgen ein Elternabend. Übermorgen das Gesamtelternratstreffen. Donnerstag ein Vortrag der Botschaft über die derzeitige Sicherheitssituation (den will ich mir unbedingt anhören). Na prima. Wochenlang ist diesbezüglich Ebbe und ausgerechnet in dieser einen Woche wollen alle was von mir. Da kann man sich nun hinsetzen und Zeitpläne basteln, Freunde einspannen, welche die Kinder mittags von der Schule abholen und planen planen planen.
Ha, nützt alles nichts.
Alle mühsam ausgetüfftelten Pläne sind dahin. Die Kinder und mich hats erwischt. Und wie. Montezumas Rache. Intestinaler Infekt. Mehr ins Detail will ich gar nicht gehen. Alle Pläne ausgehebelt. Das kann doch nicht wahr sein. Seit nahezu zwei Jahren geht es uns gut. Kaum krank, eigentlich nie. Und jetzt, ausgerechnet jetzt, in dieser einen Woche. Was für ein schlechtes Karma....
Und tatsächlich das allererste mal, dass ich unendlich dankbar dafür bin, allein im Obergeschoss drei Badezimmer zu haben.


Wir haben heute aus nostalgischen Gründen unser Schlafzimmer in "Station 2D" umbenannt.


Sonntag, 17. Februar 2019

Tandala

Was haben wir uns auf dieses Wochenende gefreut. Angefangen hatte es am Freitag mit einer Geburtstagsfeier. Während die Kinder sich im Pool und auf einer bombastisch großen Wasserrutsche vergnügten, genossen wir Eltern bei BBQ, Sekt, Bier und Wein den Abend. Herrlich, wenn ein Wochenende so eingeläutet wird.
Nach einer dann folgenden recht kurzen Nacht machten wir uns erneut auf die Strümpfe. Ziel war diesmal Tandala. Ein wie sich herausstellte atemberaubendes Anwesen mitten im Busch, kurz vor der tansanischen Grenze. Die Fahrt war für uns recht gemütlich. Abgesehen von anfänglichen städtischen Stauärgernissen führte uns dann eine herrliche Straße Richtung Namanga. Zum Glück hielten uns  die Staatsbediensteten der reichlich an der Strecke vorhandenen Polizeikontrollen für nicht interessant genug, um uns anzuhalten. Vielleicht half auch hier das rote Nummernschild. Eine Kontrolle könnte zur Zeit nämlich unangenehm werden. Ist doch seit Ende Januar unsere offizielle Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen. Die neue ist beantragt, das dauert aber. Und so sind wir zur Zeit sozusagen illegal, aber mit Diplomatenstatus im Land. Ist schon irgendwie schräg.

Nach einer also recht gemütlichen Fahrt hieß es dann in Bisil, nach links in den Busch abzubiegen. Haben wir getan. Herrlich. Ich liebe dieses Massai-Land. Die Piste war ganz gut in Schuß und außer ein paar neugierigen Antilopen waren wir nun allein auf weiter Flur.



Freunde, die vor uns auf der Strecke waren, konnten sich glücklich schätzen, einen Ersatzreifen dabei zu haben. Der wurde nämlich auch nach einem Rendevous zwischen Vorderreifen und einem Baumstumpf benötigt. Wir selbst kamen ohne Panne an. War auch besser so, wir hatten gar kein Ersatzrad dabei. Ist irgendwie an unserem Auto nicht vorgesehen. Müssen wir ändern!

Aber wie gesagt, wir kamen gut voran. Und dann lag es vor uns. Tandala....


Was für ein grandioses Anwesen. Wahrlich ein Traum.








Und wir genossen die Zeit. In vollen Zügen. Mit Champagner, Gin,  hervorragenden Weinen und guten Gesprächen. Und ja, wir diskutierten durchaus den Gedanken, ob man es sich (auch aus moralischer Sicht) erlauben darf, von Zeit zu Zeit derart dekandente Wochenenden in einem Land wie diesem zu verbringen. Wir kamen dann zu folgendem Schluß...Ja, dürfen wir. Weil wir in der Zwischenzeit andere gute Dinge tun.



Und so entspannten wir, plantschten im Pool, genossen die untergehende Sonne beim Sundowner, spielten, tanzten und lauschten den abendlichen Froschkonzerten. Zwischendurch bekamen wir immer wieder Besuch von unzähligen Warzenschweinen, Antilopen und Impalas. Zu nächtlicher Stunde schauten sogar zwei Büffel vorbei.




Ja, es war ein herrliches Wochenende. Mit Freunden. An einem atemberaubenden Ort. In einem grandiosen Land.