Es ist nun das zweite Mal, dass ich euch alle um Hilfe und Unterstützung bitte.
Aber ich fange am besten von vorne an:
Vor vier Monaten hat sich hier in Kenia, in Bomet (ca. 5 Std. Autofahrt westlich von Nairobi), ein 12-jähriges Mädchen im Wald erhängt, weil es von ihrer Lehrerin vor der versammelten Klasse wegen blutbefleckter Kleidung beschimpft wurde. Sie hatte einfach ihre Menstruation bekommen und war darauf nicht vorbereitet. Diesem Mädchen wurde von der Lehrerin solche Schuld- und Schamgefühle vermittelt, dass sie mit ihren gerade mal 12 Jahren nicht mehr weiterleben wollte.
Eine entsetzliche Geschichte, die leider kein Einzelfall ist.
Es ist nicht tragbar, dass Mädchen wegen etwas so natürlichem, wie ihrer Menstruation sowohl von Mitschülern, als auch von Vertrauenspersonen in der Schule aufs schwerste gedemütigt und vom Unterricht ausgeschlossen werden.
Im Jahr 2017 hat die kenianische Regierung zwar ein Gesetz erlassen, dass allen Schülerinnen kostenlosen Zugang zu Hygieneartikeln zusichert, jedoch wird diese Regelung an vielen Schulen nicht umgesetzt. Oft fehlt es einfach an Geld. Die UNESCO schätzt, dass derzeit die Hälfte aller Mädchen in Kenia keinen Zugang zu Monatsbinden hat.
Seit November arbeite ich nun mit den Sozialarbeitern aus dem Mathare Projekt an einer Idee, wie wir dort helfen können, wo es am meisten gebraucht wird.
Wir haben Kontakt mit dem Gouverneur des County Bomet aufgenommen. Er ist sehr aufgeschlossen und hat uns Ende Februar zu einem ersten Treffen eingeladen. Sein Vorschlag ist, an zwei Folgetagen alle Schuldirektoren seines "Bundeslandes" in einer von ihm einberufenen Veranstaltung aufzuklären und mit diesen gemeinsam für Ende März ein Aufklärungscamp für Lehrer und alle Schülersprecherinnen der einzelnen Klassenstufen zu organisieren.
Letztendlich benötigen wir für dieses Mammutprojekt
- 2000 Pakete der Sanitary Pads (je 5 waschbare Monatsbinden, 3 Slips, Seife) á 5 Euro
Februar: - Mietwagen für 3 Tage
- Übernachtung für 4 Personen á 2 Nächte in Bomet oder Umgebung
März: - Mietwagen für 3 Tage
- Übernachtung für 5 Personen á 2 Nächte in Bomet oder Umgebung
Ich werde selbst alle diese Reisen begleiten und mit Gouverneur, Schuldirektoren, Lehrern und den Mädchen sprechen, diskutieren und aufklären.
Das Problem ist: ich kann das alles nicht allein bezahlen. Viele von euch unterstützen seit langem die Aufklärungsarbeit und die Versorgung der Mädchen mit den Sanitary Pads.
Ich hoffe sehr und bitte euch alle, mich bei diesem großen Projekt erneut zu unterstützen. Die kleinsten Beträge helfen uns.
Es gibt die Möglichkeit auf ein deutsches Konto zu spenden oder hier in Kenya per MPesa.
Bitte nehmt Kontakt mit mir auf: berit@lattorff.de
Vielleicht schaffen wir es gemeinsam und können mit mehr Öffentlichkeit unsere Aufklärung und Hilfe auf andere Gegenden hier in Kenia ausweiten.
Damit so etwas, wie der Selbstmord dieses kleinen Mädchens nie wieder passiert.
Mittwoch, 22. Januar 2020
Montag, 20. Januar 2020
Katzen haben sieben Leben, Menschen leider nur eins
Fang ich mal mit dem Kater an. Wir wissen nicht, was passiert war, jedenfalls kam er vor vier Tagen schwer lädiert nach Hause gekrochen. Ob Rivalenkampf oder was anderes konnten wir nicht herausfinden. Viel Blut und zahlreiche Verletzungen im Gesicht, ein Stück der Nase fehlte, Atmen war anfangs wegen der Wunden und Schwellungen nur durch den Mund möglich.
Keine Ahnung, wie sein Gegner aussah. Möglicherweise noch schlimmer.
Vier Tage haben wir ihn gepflegt, gekrault und ihm gut zugeredet. Fressen war nicht möglich, Flüssigkeit bekam er mit der Pipette.
Putzen konnte er sich nicht. Das hat dann irgendwann erstaunlicherweise unser Hund übernommen.
Vier Tage hat es gedauert, seit gestern bekommt er Antibiotika und nun geht es langsam wieder aufwärts. Er frisst und trinkt. Gierig. Und frech ist er auch schon wieder.....
Ja, Katzen haben es gut. Da kann es auf Messers Schneide stehen und sie kommen sechs mal durch. Sieben Leben eben.....welch ein Geschenk
So viel Glück haben wir Menschenkinder leider nicht.
Grace hat ihr Baby in der 29. Schwangerschaftswoche verloren. Nicht wegen des Diabetes. Nein. Schlimmer. Sie ging zwei Tage vor Weihnachten ins Krankenhaus wegen Rückenschmerzen. Dort meinte dann einer der Ärzte ohne Untersuchung oder Ultraschall, dass die Geburt wohl jetzt eingesetzt hätte. Grace bekam dann umgehend zehn Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin einen starken Wehentropf, es folgten starke Blutungen und eine vorzeitige Plazentalösung. Letztendlich haben sie Grace den Bauch aufgeschnitten. Das Baby ist unter diesem ganzen sinnlosen Schwachsinn verstorben und konnte nur noch tot auf die Welt geholt werden.
Grace trägt es mit Fassung und ihrem Glauben.
Tatsächlich bin ich diejenige, die an solchen Geschichten verzweifelt.
Keine Ahnung, wie sein Gegner aussah. Möglicherweise noch schlimmer.
Vier Tage haben wir ihn gepflegt, gekrault und ihm gut zugeredet. Fressen war nicht möglich, Flüssigkeit bekam er mit der Pipette.
Putzen konnte er sich nicht. Das hat dann irgendwann erstaunlicherweise unser Hund übernommen.
Vier Tage hat es gedauert, seit gestern bekommt er Antibiotika und nun geht es langsam wieder aufwärts. Er frisst und trinkt. Gierig. Und frech ist er auch schon wieder.....
Ja, Katzen haben es gut. Da kann es auf Messers Schneide stehen und sie kommen sechs mal durch. Sieben Leben eben.....welch ein Geschenk
So viel Glück haben wir Menschenkinder leider nicht.
Grace hat ihr Baby in der 29. Schwangerschaftswoche verloren. Nicht wegen des Diabetes. Nein. Schlimmer. Sie ging zwei Tage vor Weihnachten ins Krankenhaus wegen Rückenschmerzen. Dort meinte dann einer der Ärzte ohne Untersuchung oder Ultraschall, dass die Geburt wohl jetzt eingesetzt hätte. Grace bekam dann umgehend zehn Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin einen starken Wehentropf, es folgten starke Blutungen und eine vorzeitige Plazentalösung. Letztendlich haben sie Grace den Bauch aufgeschnitten. Das Baby ist unter diesem ganzen sinnlosen Schwachsinn verstorben und konnte nur noch tot auf die Welt geholt werden.
Grace trägt es mit Fassung und ihrem Glauben.
Tatsächlich bin ich diejenige, die an solchen Geschichten verzweifelt.
Mittwoch, 8. Januar 2020
Zwei Gründe zum Heulen
Ich glaubs nicht. Da habe ich doch erst vor kurzem mit Freunden darüber gesprochen, wie froh ich bin, dass unser Auto hier so prima durchhält. Ich hätte auf Holz klopfen sollen....
Naja, irgendwie ist es auch so. Unser Gefährt hat an Zuverlässigkeit nichts verloren. Keine Schraube knarkst, keine Achse krächzt. Ja, klar, ab und zu ein Nagel im Reifen, aber die Radiergummiflickerei funktioniert grandios.
Eigentlich haben wir auch gar nichts falsch gemacht. Na gut, Michael hat gebremst vor einem der Speedbumps. Wohlgemerkt in guter Absicht, um unsere Stoßfedern zu schonen.
Leider hat der Hintermann geträumt. Rums....da wars passiert. Am letzten Abend mit den Jungs, ein paar Stunden vorm Abflug.
Keinem ist etwas passiert. Scheint alles nur "Blechschaden" zu sein.
Werkstattbilanz von heute morgen: die Stoßstange ist hinüber, die Hecktür kann ausgebeult werden. Der Unfallgegner will zahlen. Wir werden sehen.....
Zumindest fährt das Auto weiter ohne Probleme, nur die Optik hat eben im Moment einen tüchtigen Knick und der Kofferraum lässt sich nicht öffnen. Aber was solls, wir improvisieren.
Tja, und dann gabs noch einen traurigen Moment. Wir mussten uns nach dem Weihnachtsbesuch von unseren Jungs verabschieden. Der Transport zum Flughafen ging mit dem verbeulten Auto besser als gedacht und ehrlich gesagt so schnell wie nie (35 min). Die vier großen Koffer hatten wir wegen der nun blockierten Tür einfach von innen über die Rücksitzbank in den Kofferraum gewuchtet. Ging prima.
Es war uns allen klar, dass dieser Abschied wieder schwerfallen wird. Wir hatten wirklich zwei wunderbare gemeinsame Wochen.
Und es ist in dieser Zeit nicht nur einmal passiert, dass ich ungläubig gefragt wurde, ob diese beiden Hünen tatsächlich meine Kinder sind.
Ja, das sind sie. Zwei wundervolle Jungs. Und ich liebe euch und bin sehr sehr stolz darauf, eure Mama zu sein!
Naja, irgendwie ist es auch so. Unser Gefährt hat an Zuverlässigkeit nichts verloren. Keine Schraube knarkst, keine Achse krächzt. Ja, klar, ab und zu ein Nagel im Reifen, aber die Radiergummiflickerei funktioniert grandios.
Eigentlich haben wir auch gar nichts falsch gemacht. Na gut, Michael hat gebremst vor einem der Speedbumps. Wohlgemerkt in guter Absicht, um unsere Stoßfedern zu schonen.
Leider hat der Hintermann geträumt. Rums....da wars passiert. Am letzten Abend mit den Jungs, ein paar Stunden vorm Abflug.
Keinem ist etwas passiert. Scheint alles nur "Blechschaden" zu sein.
Werkstattbilanz von heute morgen: die Stoßstange ist hinüber, die Hecktür kann ausgebeult werden. Der Unfallgegner will zahlen. Wir werden sehen.....
Zumindest fährt das Auto weiter ohne Probleme, nur die Optik hat eben im Moment einen tüchtigen Knick und der Kofferraum lässt sich nicht öffnen. Aber was solls, wir improvisieren.
Tja, und dann gabs noch einen traurigen Moment. Wir mussten uns nach dem Weihnachtsbesuch von unseren Jungs verabschieden. Der Transport zum Flughafen ging mit dem verbeulten Auto besser als gedacht und ehrlich gesagt so schnell wie nie (35 min). Die vier großen Koffer hatten wir wegen der nun blockierten Tür einfach von innen über die Rücksitzbank in den Kofferraum gewuchtet. Ging prima.
Es war uns allen klar, dass dieser Abschied wieder schwerfallen wird. Wir hatten wirklich zwei wunderbare gemeinsame Wochen.
Ja, das sind sie. Zwei wundervolle Jungs. Und ich liebe euch und bin sehr sehr stolz darauf, eure Mama zu sein!
Dienstag, 31. Dezember 2019
Happy New Year
Und schwuppsdiwupps ist es da, das 2020. Ich habe gestern mal versucht Revue passieren zu lassen. Aber das vergangene Jahr war so voller Abenteuer, Arbeit, Neuem, Altem, Schönem, Traurigem und manchmal auch Schwerem, dass es mir schwerfiel alles zusammen zu bekommen. Im Grunde genommen ist das ja ein gutes Zeichen, dass unsere Tage hier mit soviel Abenteuer und Glück gefüllt sind. Es ist wirklich unglaublich, was wir im vergangenen Jahr alles erleben durften.
Wir hoffen und wünschen uns sehr, dass es so bleibt. Aber letztendlich kommt es wie es kommt.
Passend kamen wir gestern Abend in der Kirche erstmal mit einem platten Vorderreifen an. Nach unserer off road Tour vom Vortag ist wahrscheinlich mal wieder ein Nagel die Ursache. Und so hoffen wir heute auf das Talent der Tankwärter und dass sie genügend Radiergummi zum Stopfen vorrätig haben.
Unser Pfarrer hat uns gestern im Jahresabschlussgottesdienst die Worte Dietrich Bonhoeffers mit auf den Weg gegeben...
Wir werden sehen, wie es hier für uns weitergeht. Man weiß ja nie.... Ich bin gespannt auf die Geschichten aus der wunderbarsten Schule, die wir uns für unsere Kinder wünschen können. Auf den Weg, den unsere großen Kinder einschlagen werden. Auf Geschichten aus der Kirchgemeinde, welche sich im Moment neu aufstellt und verändert. Aus Mathare und dem Sanitary Pad Project für die Schulmädchen. Aus dem Medical Center und ganz besonders wie es mit Grace und dem Baby weitergeht. Und ich habe schon wieder so viele Ideen im Kopf.....
Und nach all dem Besinnlichen zum Jahresabschluss waren wir feiern.
Es gibt ja bekanntlich gute Parties und weniger gute. Das war gestern allerdings eine der Besten. So viele Freunde auf einem Haufen. Eltern, Kinder, Lehrer, neue und alte Bekannte, Musik, Chicken Shawarma, eine gut ausgestattete Bar, wunderbare Gastgeber, einen singenden Mathelehrer, drei Geburtstagskinder und natürlich ein bißchen Feuerwerk.
Es ist schön, hier sein zu dürfen. Wir sind dankbar für dieses Geschenk.
Happy New Year, das wünschen wir euch allen von ganzem Herzen.
Wir hoffen und wünschen uns sehr, dass es so bleibt. Aber letztendlich kommt es wie es kommt.
Passend kamen wir gestern Abend in der Kirche erstmal mit einem platten Vorderreifen an. Nach unserer off road Tour vom Vortag ist wahrscheinlich mal wieder ein Nagel die Ursache. Und so hoffen wir heute auf das Talent der Tankwärter und dass sie genügend Radiergummi zum Stopfen vorrätig haben.
Unser Pfarrer hat uns gestern im Jahresabschlussgottesdienst die Worte Dietrich Bonhoeffers mit auf den Weg gegeben...
Wir werden sehen, wie es hier für uns weitergeht. Man weiß ja nie.... Ich bin gespannt auf die Geschichten aus der wunderbarsten Schule, die wir uns für unsere Kinder wünschen können. Auf den Weg, den unsere großen Kinder einschlagen werden. Auf Geschichten aus der Kirchgemeinde, welche sich im Moment neu aufstellt und verändert. Aus Mathare und dem Sanitary Pad Project für die Schulmädchen. Aus dem Medical Center und ganz besonders wie es mit Grace und dem Baby weitergeht. Und ich habe schon wieder so viele Ideen im Kopf.....
Und nach all dem Besinnlichen zum Jahresabschluss waren wir feiern.
Es gibt ja bekanntlich gute Parties und weniger gute. Das war gestern allerdings eine der Besten. So viele Freunde auf einem Haufen. Eltern, Kinder, Lehrer, neue und alte Bekannte, Musik, Chicken Shawarma, eine gut ausgestattete Bar, wunderbare Gastgeber, einen singenden Mathelehrer, drei Geburtstagskinder und natürlich ein bißchen Feuerwerk.
Samstag, 14. Dezember 2019
Grace und der Diabetes
Kennt ihr das? Dinge, die einen sprachlos machen, weil man jahrelang annahm, sie seien so nicht möglich ? Oder zumindest nicht mit dem Leben vereinbar...
Hier ist so ein Wunder: Grace....
Grace ist schwanger. Das ist wundervoll. Allerdings leidet Grace seit frühester Kindheit unter einer schweren Zuckerkrankheit. Und spritzt seit Jahren unglaubliche Mengen Insulin. Immerhin mit einer einzigen BZ-Messung pro Woche. Weil die muss man ja in der Apotheke bezahlen (ca. 15 Cent). Ein eigenes Blutzuckermessgerät kann sich Grace nicht leisten.
Als sich Grace vor einigen Wochen das erste mal bei mir in der Sprechstunde vorstellte, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. Ich habe noch nie in meinen ganzen Jahren in deutschen Kliniken einen derart hohen BZ Wert gesehen. Der Langzeitblutzuckerwert ebenfalls im weit zweistelligen Bereich.
Und bei all dem geht es Grace blendend.
Mittlerweile kommt sie jede Woche freitags zur Schwangerenvorsorge und wir sind auf einem guten, wenn auch afrikanischen Weg. Die Blutzuckerwerte konnten wir mittlerweile halbieren, die Insulindosis weiter erhöhen und derzeit bekommen wir zwei BZ-Werte pro Woche.
Grace amüsiert sich jedesmal über meine Schnappatmung bei Sichtung der Laborwerte. Schließlich liegt ihrer Ansicht nach sowieso alles in Gottes Hand...und der wirds schon richten.... wie auch immer.
Wahrscheinlich mehr aus Zufall, denn in der Absicht mich aufzumuntern, erschien Grace gestern in passendem T-Shirt. Wahrscheinlich aus irgendeiner Kleiderspende, die hierher nach Afrika verschifft worden war. Der Spruch war passend und nachdem ich Grace übersetzt hatte, was sie da so vor sich her trägt, mussten wir beide lachen.
Wie das mit Grace, dem Baby und der schweren Diabetes weitergeht können wir nur bedingt beeinflussen. Die staatlichen Entbindungskliniken sind hier nämlich bereits mit einfachen Geburten überfordert. Die Kindersterblichkeit unter der Geburt liegt in einfachen Kliniken im zweistelligen Bereich (hier werden die ersten drei Lebensmonate mit eingerechnet). Bei der Müttersterblichkeit ist es nicht groß anders.
Wir werden im Vorfeld tun, was in unserer Macht steht und dann werden wir beten. Und Grace hat recht....hier unten, in Afrika, liegt es in Gottes Hand....
(Grace ist übrigens damit einverstanden, dass ich über sie schreibe)
Hier ist so ein Wunder: Grace....
Grace ist schwanger. Das ist wundervoll. Allerdings leidet Grace seit frühester Kindheit unter einer schweren Zuckerkrankheit. Und spritzt seit Jahren unglaubliche Mengen Insulin. Immerhin mit einer einzigen BZ-Messung pro Woche. Weil die muss man ja in der Apotheke bezahlen (ca. 15 Cent). Ein eigenes Blutzuckermessgerät kann sich Grace nicht leisten.
Als sich Grace vor einigen Wochen das erste mal bei mir in der Sprechstunde vorstellte, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. Ich habe noch nie in meinen ganzen Jahren in deutschen Kliniken einen derart hohen BZ Wert gesehen. Der Langzeitblutzuckerwert ebenfalls im weit zweistelligen Bereich.
Und bei all dem geht es Grace blendend.
Mittlerweile kommt sie jede Woche freitags zur Schwangerenvorsorge und wir sind auf einem guten, wenn auch afrikanischen Weg. Die Blutzuckerwerte konnten wir mittlerweile halbieren, die Insulindosis weiter erhöhen und derzeit bekommen wir zwei BZ-Werte pro Woche.
Grace amüsiert sich jedesmal über meine Schnappatmung bei Sichtung der Laborwerte. Schließlich liegt ihrer Ansicht nach sowieso alles in Gottes Hand...und der wirds schon richten.... wie auch immer.
Wahrscheinlich mehr aus Zufall, denn in der Absicht mich aufzumuntern, erschien Grace gestern in passendem T-Shirt. Wahrscheinlich aus irgendeiner Kleiderspende, die hierher nach Afrika verschifft worden war. Der Spruch war passend und nachdem ich Grace übersetzt hatte, was sie da so vor sich her trägt, mussten wir beide lachen.
Wie das mit Grace, dem Baby und der schweren Diabetes weitergeht können wir nur bedingt beeinflussen. Die staatlichen Entbindungskliniken sind hier nämlich bereits mit einfachen Geburten überfordert. Die Kindersterblichkeit unter der Geburt liegt in einfachen Kliniken im zweistelligen Bereich (hier werden die ersten drei Lebensmonate mit eingerechnet). Bei der Müttersterblichkeit ist es nicht groß anders.
Wir werden im Vorfeld tun, was in unserer Macht steht und dann werden wir beten. Und Grace hat recht....hier unten, in Afrika, liegt es in Gottes Hand....
(Grace ist übrigens damit einverstanden, dass ich über sie schreibe)
Mittwoch, 11. Dezember 2019
Wasser, was sonst.....
Wasser in allen Lebenslagen, anders kann ich es nicht mehr bezeichnen. Seit drei Monaten schüttet es Bäche und Flüsse, Seen und Ozeane vom Himmel. Viele der Nationalparks sind mittlerweile wegen Überflutungen gesperrt, Straßen und Brücken wurden weggespült oder sind nicht mehr passierbar, der Schlamm macht die Wege abseits des Asphalts rutschig und gefährlich. Lodges und Krankenhäuser wurden geflutet und auch Wohnhäuser und Gärten stehen zur Zeit gelegentlich unter Wasser.
Und wir haben Glück im Unglück, naja, fast zumindest. Unser Dach ist alt, aber hält dicht. Unsere Wasserleitungen leider nicht.
Rief mich doch unsere Maid Metrin vor ein paar Tagen panisch um Hilfe, die Küche stand unter Wasser. Das war merkwürdig, denn draußen schien gerade die Sonne. Wo um Himmels Willen kamen denn nun an diesem einem und einzigen trockenen Tag die Unmengen von Wasser auf dem Küchenboden her?
Die Ursache war rasch gefunden. Ein Rohrbruch im Unterspülenschrank.
Na prima.
Mittlerweile ist ja Patrick der Plumber, der uns seit 2 Jahren die Treue hält, mein bester Freund in der Not. Erstaunlich ist jedesmal der Blick in seine Werkzeugtasche. Aber mit fast nix, kann man hier eben doch Wunder vollbringen.
Nach einigen prüfenden Blicken erklärte mir nun der beste Plumber von allen, dass es ein Wunder war, das diese alte Rohkonstruktion überhaupt so lange gehalten hatte.
Zwei Endstücke von Rohren waren soweit voneinander entfernt, dass eine Verbindung beim Bau durch extremes Biegen hergestellt worden war. Und die war nun eben gebrochen. Ich hab keine Ahnung, wieviele Jahre das gehalten hatte (Rohrverbindungen in Küchenspülenunterschränken gehörten bisher nicht zu meinem Interessengebiet).
Und während ich schon überlegte, wie und wo wir jetzt am frühen Abend rasch Ersatzteile besorgen, war Patrick entspannt und guter Dinge. Er würde das auch ohne Ersatzteile hinbekommen. Aha.....
Du meine Güte, ich bin ja selten sprachlos, aber was nun folgte.....
Es wurde geschraubt, gespült, gewerkelt. Unser Boniface wurde als Helfer und Lehrling angestellt, ich als Beleuchter (mit Handytaschenlampe).
Die Rohre wurden neu positioniert, das Verbindungsstück ausgiebig im Eimer gewaschen.
Patrick verlangte dann von mir Bausand. Wie bitte? Boniface schaltete schneller als ich und mopste mit langem Arm etwas Bausand vom Nachbargrundstück.
Also Sand ins Rohr.
Patrick grillte dann das Rohr über unserem Gasherd und bog und bog und bog, bis ein beachtlicher Winkel entstanden war.
Mittlerweile sah das Rohr recht knusprig aus. Es roch auch dementsprechend.
Meine Bedenken wurden überhört und das frisch gegrillte Rohrstück als Verbindung eingebaut.
Wasser an und tadaa.....Patrick hatte ein beachtliches Loch ins vormals intakte Rohr gebrannt, es leckte in breitem Strahl.
Mist. Also doch noch schnell zum Baumarkt.
Nö, Patrick fand das immer noch nicht schlimm und holte eine Dose mit irgendeiner Paste aus seiner spärlich bestückten Werkzeugtasche. Diese Paste wurde nun von außen auf das Bandloch geschmiert. Und tatsächlich, nach kurzem Warten war das Rohr dicht.
Laut Patrick bleibt das jetzt auch für die nächsten Jahre so.
unsere Kirchenhalle
Aga Khan Hospital
Garten von Freunden
Rief mich doch unsere Maid Metrin vor ein paar Tagen panisch um Hilfe, die Küche stand unter Wasser. Das war merkwürdig, denn draußen schien gerade die Sonne. Wo um Himmels Willen kamen denn nun an diesem einem und einzigen trockenen Tag die Unmengen von Wasser auf dem Küchenboden her?
Die Ursache war rasch gefunden. Ein Rohrbruch im Unterspülenschrank.
Na prima.
Mittlerweile ist ja Patrick der Plumber, der uns seit 2 Jahren die Treue hält, mein bester Freund in der Not. Erstaunlich ist jedesmal der Blick in seine Werkzeugtasche. Aber mit fast nix, kann man hier eben doch Wunder vollbringen.
Nach einigen prüfenden Blicken erklärte mir nun der beste Plumber von allen, dass es ein Wunder war, das diese alte Rohkonstruktion überhaupt so lange gehalten hatte.
Zwei Endstücke von Rohren waren soweit voneinander entfernt, dass eine Verbindung beim Bau durch extremes Biegen hergestellt worden war. Und die war nun eben gebrochen. Ich hab keine Ahnung, wieviele Jahre das gehalten hatte (Rohrverbindungen in Küchenspülenunterschränken gehörten bisher nicht zu meinem Interessengebiet).
Und während ich schon überlegte, wie und wo wir jetzt am frühen Abend rasch Ersatzteile besorgen, war Patrick entspannt und guter Dinge. Er würde das auch ohne Ersatzteile hinbekommen. Aha.....
Du meine Güte, ich bin ja selten sprachlos, aber was nun folgte.....
Es wurde geschraubt, gespült, gewerkelt. Unser Boniface wurde als Helfer und Lehrling angestellt, ich als Beleuchter (mit Handytaschenlampe).
Die Rohre wurden neu positioniert, das Verbindungsstück ausgiebig im Eimer gewaschen.
Patrick verlangte dann von mir Bausand. Wie bitte? Boniface schaltete schneller als ich und mopste mit langem Arm etwas Bausand vom Nachbargrundstück.
Patrick grillte dann das Rohr über unserem Gasherd und bog und bog und bog, bis ein beachtlicher Winkel entstanden war.
Meine Bedenken wurden überhört und das frisch gegrillte Rohrstück als Verbindung eingebaut.
Wasser an und tadaa.....Patrick hatte ein beachtliches Loch ins vormals intakte Rohr gebrannt, es leckte in breitem Strahl.
Mist. Also doch noch schnell zum Baumarkt.
Nö, Patrick fand das immer noch nicht schlimm und holte eine Dose mit irgendeiner Paste aus seiner spärlich bestückten Werkzeugtasche. Diese Paste wurde nun von außen auf das Bandloch geschmiert. Und tatsächlich, nach kurzem Warten war das Rohr dicht.
Laut Patrick bleibt das jetzt auch für die nächsten Jahre so.
Sonntag, 24. November 2019
Brillen aus Quedlinburg
Es hat ein wenig gedauert. Tatsächlich sogar länger, als ich dachte. Aber manchmal ist es sinnvoll zu warten.
Und in den letzten Wochen war dann endlich einer dieser richtigen Momente gekommen. Vielleicht erinnert ihr euch. Kurz vor den Sommerferien, Anfang Juli, brachte Rigo ein riesiges Sachspendenpaket aus Quedlinburg mit. Familie und Freunde, viele hatten gesammelt und gegeben. Unter anderem unzählige Brillen. Alle ganz sorgfältig einzeln verpackt und gekennzeichnet mit den Stärken der einzelnen Gläser. Besser gehts eigentlich gar nicht.
Und nun endlich, gab es wieder eine dieser wunderbaren Gelegenheiten, einige dieser Brillen den wirklich Bedürftigen zu geben.
Eine der deutschen Augenärztinnen im Medical Center konnte eine ganze Reihe von Schulkindern mit Sehhilfen ausstatten. Kinder, die ohne Versicherung sonst kaum die Chance haben, an solch eine Versorgung zu kommen.
Liebe Quedlinburger, ihr habt mit euren Spenden viel Gutes getan. Und ich darf euch ganz lieben Dank und viele Grüße ausrichten.
Wir werden mit den noch vorhandenen Brillen auf weitere gute Gelegenheiten warten.
Und in den letzten Wochen war dann endlich einer dieser richtigen Momente gekommen. Vielleicht erinnert ihr euch. Kurz vor den Sommerferien, Anfang Juli, brachte Rigo ein riesiges Sachspendenpaket aus Quedlinburg mit. Familie und Freunde, viele hatten gesammelt und gegeben. Unter anderem unzählige Brillen. Alle ganz sorgfältig einzeln verpackt und gekennzeichnet mit den Stärken der einzelnen Gläser. Besser gehts eigentlich gar nicht.
Und nun endlich, gab es wieder eine dieser wunderbaren Gelegenheiten, einige dieser Brillen den wirklich Bedürftigen zu geben.
Eine der deutschen Augenärztinnen im Medical Center konnte eine ganze Reihe von Schulkindern mit Sehhilfen ausstatten. Kinder, die ohne Versicherung sonst kaum die Chance haben, an solch eine Versorgung zu kommen.
Liebe Quedlinburger, ihr habt mit euren Spenden viel Gutes getan. Und ich darf euch ganz lieben Dank und viele Grüße ausrichten.
Wir werden mit den noch vorhandenen Brillen auf weitere gute Gelegenheiten warten.
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